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erhobenen Anklagen keine Beachtung schenkte, dagegen
über die Veröffentlichung einer Beschreibung seiner Person
als „eines Magnaten von rubinfarbenem Angesicht“ un-
verhohlenen tiefen Unwillen zeigte. Er war in bezug auf die
Entstellung seines Gesichts sehr empfindlich.
Soweit auch kritische Bemerkungen über seine Hand-
lungsweise gingen, sie verschwanden bald wieder, und ge-
rade die Zeitungen, die an erster Stelle ihn in Worten
zerrissen hatten, kehrten zu ihrer alten schmeichlerischen
Art, ihn als einen glänzenden Finanzmann und Philanthro-
pen zu preisen, zurück. Von allen Magnaten hegte keiner
sine schärfere Verachtung für die Zeitungen als Morgan.
Keiner wußte besser als er, daß, was für Ausfälle sie auch
gelegentlich machten, ihre Richtung im ganzen doch leicht
durch die Interessen der Besitzenden geregelt werden
konnte.
Nichts für die Arbeitslosen
Um jedoch die ganze Bedeutung des Regierungsverfahrens
Dei diesem besonderen Obligationenhandel zu erkennen,
durch welchen einigen wenigen schon mit Reichtum über-
ladenen Bankiers ein Geschenk von reichlich 18 Millionen
Dollar gemacht wurde, muß man sich die Verhältnisse unter
der Masse des Volkes, besonders nach der Panik des Jahres
1893 ins Gedächtnis zurückrufen. In normalen Zeiten betrug
ıach der Schätzung von Caroll D. Wright, der einige Jahre
Arbeitskommissioner des Bundes war, die Zahl der Arbeits-
losen immer ungefähr ı Million Männer, Frauen und Kinder.
Nach der Panik des Jahres 1893 wuchs diese Zahl vielleicht
auf 3 Millionen, Die Regierung rührte nicht einen Finger,
um irgendeinem dieser Arbeitslosen zu helfen, auch wur-
den‘ weder Mittel zur Linderung dieses Elends, noch die
Ursachen seiner Entstehung in Betracht gezogen. Maßregeln
wurden getroffen, um Protestversammlungen in den Straßen
zu unterdrücken, und Führer von Arbeitervereinigungen
wurden unter der vorgeblichen Beschuldigung der Ver-
achtung der Bundesgerichtshöfe in das Gefängnis geworfen.
Noch im Jahre 1894 hatte Cleveland reguläre Truppen