Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

583 
konnten, daß es für die Kohlenmagnaten ratsam wäre, zu 
einem Vergleich zu kommen; sie könnten sonst wegen Ver- 
letzung des Gesetzes, das den Eisenbahnen den Besitz 
von Kohlenbergwerken untersagt, Strafverfolgung erleiden. 
Aber die Magnaten, die wohl wußten, wie oft sie dieses 
törichte Gerede gehört hatten, und wie leer und wirkungslos 
das alles war, konnten belustigt und voller Verachtung daran 
vorübergehen. Dann folgte das Schauspiel, wie der Präsident 
der Vereinigten Staaten — in der Theorie der Vertreter 
von 85 Millionen Menschen — gezwungen war, mit einigen 
wenigen Magnaten nach ihren eigenen Bedingungen zu 
parlamentieren und zu unterhandeln. „Der eine Mann, 
der die Geldieute beherrschte,“ schrieb A. Maurice Low 
(der zweifellos einer der am besten unterrichteten Zeitungs- 
korrespondenten in Washington war), „war Mr. J. Pierpont 
Morgan. Da alles andere fehlgeschlagen war, mußten seine 
Dienste gewonnen werden.‘ Morgan zeigte sofort, daß er 
die Macht besäße, das zu tun, was, wie der Präsident der 
Vereinigten Staaten zugab, die höchste, in seiner eigenen 
Person konzentrierte Exekutivgewalt des Landes, nicht tun 
konnte — eine Tatsache, die Low veranlaßte (wie schon 
früher erwähnt), ehrfurchtsvoll auszurufen: „Groß ist 
Mr. Morgans Macht, größer in mancher Hinsicht noch als 
die eines Präsidenten oder Königs.“ Roosevelt mochte 
öffentlich damit prahlen, daß er jenen Streik beigelegt habe, 
tatsächlich aber benutzte Morgan Roosevelt schlau dazu, 
eine Schlichtung gerade in dem Moment herbeizuführen, 
in dem die Magnaten sie für staatsklug hielten, und mit dem 
günstigsten Resultat, das sie in jener besonders beunruhigen- 
den kritischen Lage erhoffen konnten?). 
1) Low sagt: „Folgendes war in nuce die Situation, die von Mr. Morgan und 
Mr. Root während der fünf Stunden besprochen wurde, sie sie an jenem Sonnabend, 
als Krieg und Frieden in der Schwebe waren, auf der Jacht des ersteren zusammen 
zubrachten: Den Streik weitergehen zu lassen, bedeutete Möglichkeiten, an die 
niemand auch nur zu denken wünschte. Es könnte das Öffnen von Pandoras Büchse 
bedeuten. Es könnte Brandstiftung und Aufruhr und Blutvergießen in dem Kohlen- 
gebiet bedeuten. Es könnte in der Stadt New York sogar Schlimmeres bedeuten. 
Schon schrien die Armen nach Brennmaterial, und noch hatte der Winter seine Hand 
nicht einmal leicht auf die Stadt gelegt. Es könnte einen solchen Zustand der Dinge 
bedeuten, daß die ganze Armee ihn nicht in Schranken hätte halten können.“
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.