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grollen mußte. Aber ein neues Edikt (es ist keine Über-
treibung, die von Magnaten ausgehenden Befehle als Edikte
zu bezeichnen) folgte rasch darauf. Carnegie wußte natür-
lich, daß sehr viel von der Pennsylvania-Eisenbahn und
ihrem Eigentum Morgan gehörte. Wenn man eine Eisen-
bahn zur Konkurrenz mit dem Pennsylvania-Netz baute,
würden Morgans Einfluß und Vermögen doppelt angegriffen
werden. Carnegie veranlaßte die Verbreitung der Nachricht,
er beabsichtige, eigene Eisenbahnen von Pittsburg nach den
großen Seen im Westen und im Osten bis zum Atlantischen
Ozean zu bauen. Er betrieb diesen Plan so, als ob es ihm
damit bitterer Ernst sei; er schickte zur Absteckung der
Route Vermessungsgesellschaften hinaus.
Die Wirkung auf Morgan war schlagend. Vielleicht
gab Carnegie seine Schreckschüsse als Erwiderung auf
Schreckschüsse ab. Doch die Situation war für eine Spielerei
zu ernst. Carnegie konnte seine Drohungen vielleicht aus-
führen; darin lag die Gefahr. Hätte Morgan mit der Re-
gierung der Vereinigten Staaten zu tun gehabt, so würde er
sich über Drohungen, die er, wie er wußte, ruhig übersehen
konnte, nicht so sehr beunruhigt haben; aber im Kampf
mit Carnegie stand er einem Magnaten gegenüber, dessen
Macht er mit gutem Grunde grimmig zu fürchten hatte.
Wie konnte Carnegie besänftigt oder von seinem verhängnis-
vollen Plane abgebracht oder an seiner Ausführung ver-
hindert werden? Einen heroischen Weg gab es — ihn auf-
zukaufen und einen Trust zu organisieren. Der Erwerb der
Anlagen der Carnegie-Gesellschaft kostete das Morgan-
Syndikat 447 Millionen Dollar. Man lese das Kapitel über
das Vermögen Carnegies, um weitere Details zu finden.
Fin in allen Teilen vollkommener Trust
Man kann die Tatsache nicht bestreiten, daß der Stahl-
trust geradezu den Höhepunkt wirksamer Organisation für
kapitalistische Zwecke bildete. Andere Truste mochten auf
dem Gebiet der Produktion und teilweise dem des Vertriebs
gut organisiert sein und doch der Herrschaft hinsichtlich
der Versorgung mit Rohmaterial ermangeln. Der Stahl-