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zielle Beschwerde. Als jedoch eine zweite Herabsetzung
der Löhne von fünfzehn bis dreißig Prozent angekündigt
wurde, beschlossen die Arbeiter, es nicht zu dulden, daß
sie um des erschöpften Zustandes des Eisenbahnschatzes
willen leiden müßten.
Aber die Justiz war schnell dabei, das Gesetz in rechts-
widriger Weise so zu dehnen, daß den Arbeitern verboten
wurde, in einen Streik einzutreten. Als die Arbeiter der
Northern Pacific um eine Unterredung mit den Verwaltern
baten, willigten diese ein. Heimlich jedoch entwarfen die
Anwälte der Verwalter ein durchgreifendes gerichtliches
Verbot, das dem Richter Jenkins von dem Bundesgericht
der Vereinigten Staaten gerade am Vorabend der verein-
barten Unterredung vorgelegt und von ihm unterzeichnet
wurde. Der Hauptanwalt bei der Abfassung dieses Verbots
und bei dem Bemühen, es durchzusetzen, war Senator
Spooner. Dies gerichtliche Verbot untersagte es den
Männern, „sich zum Verlassen der Arbeit mit oder ohne
Kündigung zu verbinden oder zu verschwören‘“. Es folgte
noch ein ergänzendes Verbot, welches den Arbeitern unter-
sagte, „andern das Verlassen des Dienstes bei den Verwaltern
vorzuschreiben, zu empfehlen, zu billigen oder zu raten“.
Das ganze Verfahren war so kraß ungesetzlich, daß die
Justizkommission des Repräsentantenhauses sich zur Unter-
suchung gezwungen sah. Diese Kommission berichtete,
daß der Einhaltsbefehl „eine Verletzung der Verfassungs-
bestimmungen, einen Mißbrauch der richterlichen Gewalt
darstelle und ohne gesetzliche Kraft sei‘; daß Jenkins’
Verfahren „eine tyrannische Anwendung der Gewalt seines
Gerichtshofes und einen Eingriff in die Rechte ameri-
kanischer Bürger bedeute?).“
Abgesehen von dieser Anklage wurde kein Strafverfahren
gegen Jenkins, Spooner, die Verwalter oder irgendeinen an-
dern der Beschuldigten eingeleitet. Mittlerweile hatte das
Verbot den erwarteten Dienst, die Arbeiter einzuschüchtern
und die Wirksamkeit ihres Streiks zu lähmen, geleistet.
1) House Report No. 1049, June 1894, Second Session, Fifty-third Congress,
Während dieser ganzen Zeit war John S. Kennedy, „der große Philanthrop‘, einer
der größten Aktionäre dieser Eisenbahn.