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Villards Herrschaft über die Northern Pacific wurde
durch eine Verbindung feindlicher Kapitalisten gestürzt?),
und Hill fing allmählich an, als herrschender Besitzer eine
Rolle zu spielen. Es ist hier angebracht, zu bemerken, daß
man behauptete, Maginnis sei heimlich im Dienste von
Hills Great Northern-Eisenbahn gewesen, zu derselben
Zeit, als er mit der Northern Pacific im Kampfe lag.
Der große Kampf zwischen Hill und Harriman im Jahre
1901 um die Herrschaft über die Northern Pacific ist schon
in einem der Kapitel über J. Pierpont Morgan beschrieben
worden. Das Resultat von alledem war, daß die Hill-Inter-
essen die Herrschaft über die Northern Pacific-Eisenbahn,
wie auch über die Great Northern-Eisenbahn und die
Chicago, Burlington und Quincy erhielten.
Nach Charles Edward Russel, der die wiederholten nomi-
nellen Aktienvermehrungen der Great Northern-Eisenbahn
sorgfältig studiert hat, haben Hill, Kennedy, Lord Mount
Stephen, Lord Strathcona und andere Magnaten aus den
Aktienmanipulationen der Great Northern eine Gesamt-
summe von 407 Millionen Dollar gezogen. Russel sagt,
daß in dieser Summe nichts von Dividenden, Zinsen und
andern Nebeneinkünften enthalten ist. Diese haben allein
enorme Summen erreicht?). Eine von dem Senate des
Staates Minnesota im Jahre 1907 ernannte Kommission
zur Untersuchung der Kapitalisierung von Eisenbahnen
in Minnesota berichtete, daß diese Eisenbahnen mit un-
gefähr 400 Millionen Dollar oder mit ungefähr 50 000 Dollar
1) Villard kaufte die New Yorker „Evening Post‘; sein Verfahren beim Er-
werb dieser Zeitung bildete nicht nur eine Ausnahme, sondern einen starken Gegen-
satz zu dem von den andern Kapitalisten unabänderlich angewandten Verfahren,
wenn sie Zeitungen erwarben. Er verzichtete auf jeden Einfluß auf die redaktionelle
Politik jener Zeitung, indem er drei Bevollmächtigten die unbeschränkte Herrschaft
in dieser Beziehung übertrug. Er benutzte die „Evening Post“ niemals, um die Ope-
rationen in Wallstreet zu beeinflussen. In der Tat schrieb er ihr keine einzige Zeile
ihrer Leitartikel vor. Anderseits kritisierten die Herausgeber manchmal freimütig
seine Politik in Eisenbahnangelegenheiten. — Es mag hinzugefügt werden, daß
(nach des Verfassers persönlicher Kenntnis) die New Yorker „Evening Post‘“ sich kon-
sequent geweigert hat, sich in ihren redaktionellen Äußerungen durch das Angebot
oder die Entziehung regierungsseitiger, finanzieller und anderer Annoncen beein-
flussen zu lassen. Sie hat ihre Richtung beibehalten trotz sehr schwerer, durch
die Entziehung solcher Annoncen entstandener Verluste.
2) „The Heart of the Railroad Problem‘, Hampton’s Magazine, May, 1909,