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dahingestorben; Millionen von Männern, Frauen und Kin-
dern fristen ihr Leben in äußerster Notdurft und sehen die
paar Spargroschen, die sie haben, durch Arbeitslosigkeit,
Krankheit oder Alter dahinschwinden. Große Scharen von
Männern, die für Carnegie arbeiten, haben nach Jahren
voll grausamen, aufreibenden Schuftens für sich und die
Ihren nichts als Armut erschafft.
Hier liegt sicher ein Problem, das auch ein Problem
bleibt, weil diejenigen, deren bezahlter Beruf es ist, diese
abgründigen Kontraste zu übertünchen und Ergebenheit
zu predigen, es einen Gemeinplatz nennen. Wie kommt es,
daß dieser eine Mensch, namens Andrew Carnegie, in der
Lage war, solche Berge von Reichtum zu seinem Privat-
besitz aufzuhäufen! Wie erwarb der Handelsfürst, der
Trustmagnat, der Eisenkönig, der „große Philanthrop““
liesen Reichtum, und unter welchen Verhältnissen ?
Die Laufbahn
Vor dreißig Jahren jedoch hatte Carnegie einen anderen
Titel: er hieß damals der „Eisenmeister“ — eine bloß un-
gefähre Bezeichnung; und doch, wenn man die "Tatsachen
prüft, ist sie nicht ganz vag. Er war nicht gerade Meister
der Eisen- und Stahlindustrie, denn er hatte bedeutende
Konkurrenten, aber seine Werke waren die größten, und
daher bekam er seinen Namen. In diesem Namen „FEisen-
meister“ lag freilich mehr: er besagte eigentlich, daß er
seine Laufbahn in der Produktion von Eisen oder Stahl
Jegonnen hätte, daß er selber den Prozeß verbessert, Er-
findungen gemacht, neue Methoden entdeckt und auch
sonst jede Einzelheit gemeistert hätte. Das war aber bloß
eine nützliche Fiktion, die vortrefflich zu der herrschenden
Lehre stimmte, Reichtum käme von höherer Geschicklich-
keit, tatsächlich aber keine andere Basis hatte, als daß
Carnegie Meister der größten Stahl- und Eisenwerke
Amerikas war. Wenn er nun, wie es doch der Fall war, die
Fabrikation von Eisen und Stahl niemals regelrecht erlernt
hatte und, als er zuerst finanziell daran interessiert wurde,
weder vom Fabrikationsprozeß noch vom Handel das