Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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Anteil hatten. Alles das erkannte er klar. Es wirft gewiß 
ein helles Licht auf Carnegies Geschicklichkeit oder auf 
Millers Mangel an Einsicht, wenn dieser nach seinem Hinaus- 
wurf sich mit Carnegie und anderen zur Gründung der 
Zyklopen-Eisenmühlen zu Pittsburg in der 33. Straße zu- 
sammentat, um mit Kloman-Phipps zu konkurrieren. Wir 
können daraus schließen, daß Carnegie die verschiedenen 
Schritte, die zu Millers Hinauswurf aus den Kloman-Werken 
führten, so umsichtig getan hatte, daß Miller die Kunst- 
griffe Carnegies immer noch nicht durchschaute. Nicht 
weniger erbaulich als Symptom für die Geschäftsmethoden 
jener Zeit ist die Tatsache, daß Carnegie ein Konkurrenz- 
unternehmen gegen die Klomanschen Städtischen Eisen- 
schmieden gründete, bei denen er selbst „stiller“ Teil- 
haber war. Wie wir aber sehen werden, führte Carnegie 
dabei einen kühnen und offenbar wohlbedachten Plan aus. 
Es sollte die Zeit kommen, wo er, der ursprünglich nur 
als erbetener Schiedsrichter auf der Bildfläche erschienen 
war, die volle Herrschaft über die ganze Eisen- und Stahl- 
industrie im Pittsburger Distrikt erlangte. Er besaß eine 
bemerkenswerte Gabe, die wärmste Freundschaft und Hoch- 
achtung für Leute zu beteuern, auf deren Kosten er in dem- 
selben Augenblick seine eigenen Interessen durchsetzte. Das 
allein aber hätte nicht genügt. Er verstand es auch, sich 
vor allem der Hilfe des Gesetzes zu bedienen, d. h. gesetz- 
licher Abmachungen und Verträge, die er so raffiniert ab- 
faßte, daß der arme Teilhaber oder Erfinder nachher ’ge- 
wöhnlich erkannte, er könne gesetzlich gegen Carnegie 
nichts machen, da er sich durch den Vertrag, den er so ver- 
trauensselig unterzeichnete, die Hände gebunden hatte. 
Gewöhnliche Juristen genügten für Carnegie nicht; er 
brauchte mit allen Hunden Gehetzte, und der beste Beweis 
für ihre Geschicklichkeit ist die Tatsache, daß selten jemand 
gegen Carnegie einen Prozeß riskierte. Ein Teilhaber nach 
dem anderen verließ ihn unfreiwillig und voller Wut und 
Groll, aber die Prozeßberichte wird man vergebens nach 
Klagen durchsuchen — bis auf ein oder zwei Fälle, auf die 
wir sogleich eingehen wollen. Was Thomas M. Carnegie 
betrifft, so war er ein Mann, der keinerlei überwältigende
	        
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