Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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Arbeit erworben: sein bloßer Name war den Arbeitern ver- 
haßt. Trotz der Verschiedenheit der Nationalitäten in den 
Carnegie-Stahlwerken und der geschickten Art und Weise, 
wie Vorurteile und Feindschaften genährt und entflammt 
wurden, mußten die Arbeitsbedingungen die Arbeiter not- 
wendig zum Anschluß an die Vereinigte Gewerkschaft der 
Eisenarbeiter treiben. Die Arbeit, die von ihnen verlangt 
wurde, war entsetzlich. Die Werke ein paar Stunden täglich 
zu schließen hätte einen großen ökonomischen Verlust be- 
deutet; anstatt aber die vierundzwanzig Stunden in drei 
Schichten einzuteilen, so daß jede Schicht acht Stunden zu 
arbeiten hätte, hatte man nur zwei Schichten, so daß die 
Leute zu zwölfstündiger Arbeit am Tage gezwungen Waren, 
Mit diesem unmenschlichen System noch nicht zufrieden, 
stachelte Carnegie seine Werkmeister an, „einen noch 
besseren Rekord“ herauszudrücken; er überwachte die Ein- 
künfte aus jeder Abteilung mit scharfen Augen; waren die 
Kosten der Arbeit und der Produktion in einer Abteilung 
höher als in der anderen, so machte er den Meistern dieser 
Abteilung Vorwürfe und lobte die Meister der anderen Ab- 
teilungen. Auf diese Weise säte er mit diabolischer List 
Eifersüchteleien unter den Werkmeistern, hetzte sie gegen- 
einander auf und erzeugte so bittere Feindschaften, daß 
manche Werkmeister jahrelang nicht miteinander sprachen. 
Um diese Zeit begann jene Periode der Reklame und des 
Selbstlobs, die noch andauert. Er schrieb in der Zeitschrift 
„Forum“ 1886 Artikel, in denen er die tiefste Rücksicht auf 
das Wohlergehen der Arbeiter ausdrückte. Wir wollen 
sinige charakteristische Stellen zitieren, die er später, kühn 
genug, wieder veröffentlichte („Probleme von heutzutage‘, 
von Andrew Carnegie, 1908), trotz der Enthüllungen des 
großen Homestead-Streiks. Er schrieb: seiner Meinung 
nach „entstehen die Streike nicht so sehr aus Zwistigkeiten 
wegen der Arbeit, als aus Mangel an Verständigung unter 
den Parteien. Der Unternehmer kennt den Arbeiter und 
seine Gedanken und Sorgen nicht, und der Arbeiter kennt 
die Meinungen und Sorgen des Unternehmers nicht. Eben- 
sowenig kennt der Unternehmer die guten Seiten seiner 
Arbeiter, und der Arbeiter die guten Seiten seines Unter-
	        
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