Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

— 716 — 
stimmte Andrew Carnegie in seinem sonderbaren Buche 
„Probleme von heutzutage“ eine Rhapsodie auf die Erfinder 
an. „Es gibt eine Klasse Millionäre,‘“ schrieb er, „deren 
Reichtum in viel größerem Grade als bei anderen ihnen 
selber zugeschrieben werden muß . ..‘“, und er nannte Bell, 
den Erfinder des Telephons, Edison, und Westinghouse, der 
durch die Vakuumbremse berühmt ist. „Ihr Reichtum ent- 
springt ihrem eigenen Gehirn. Alle Ehren dem Erfinder! 
Er steht auf einer höheren Warte als die anderen Menschen!“ 
Was für edle Gefühle! Was für heiße Ermahnungen! 
Leider sind ihm eine Reihe fataler Versehen passiert. Ab- 
gesehen von einer langen Liste anderer amerikanischer Er- 
finder, welche, von Kapitalisten ausgeplündert, arm zu 
Grabe gegangen sind, gibt es eine besondere Klasse von Er- 
findern, die Carnegie persönlich kannte und die er mit Fleiß 
anerwähnt gelassen hat. 
Es waren die Erfinder in seinen eigenen Werken; Er- 
finder wie Holley und Jones und andere, weniger bekannte, 
wie James H. Simpson, Henry Aiken, Henry W. Borntraeger 
und sonstige. Innerhalb dreier Jahre (1887 bis 1889) kam 
Carnegie in den Besitz von zwölf Erfindungen Simpsons in 
der Herstellung von Ziehstangen, Kopplern, Drehschnallen 
usw., und in einem einzigen Jahre übernahm Carnegie vier 
dem Aiken patentierte Erfindungen. Das sind nur einige 
wenige von den vielen Erfindern, die Carnegie ihre Patente 
äberließen und dafür nichts als ihren Lohn bekamen und 
selber im allgemeinen in Armut oder Halbarmut starben. 
Der Schwerpunkt von Carnegies selbstgefälligem Buche 
liegt in der Behauptung, Geschicklichkeit habe die Anhäu- 
fung großer Reichtümer vollbracht; Geschicklichkeit habe 
den Multimillionär auf seinem goldenen Wege vorwärts ge- 
bracht; persönliche Geschicklichkeit sei das A und das O 
gewesen; für Carnegie ist das eine genügende Erklärung 
dafür, warum und wie er ein Vermögen von einigen Hun- 
derten von Millionen Dollar zusammenscharren konnte, 
und er möchte gerne, daß diese Erklärung vom Publikum als 
richtig hingenommen würde, Während er diese Erklärung 
aufstellt, bezieht er sich taktvoll und diskret auf seine eigene 
Laufbahn, indem er in der dritten Person schreibt und seinen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.