Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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kämpfe in den Einzelstaaten und in den Stadtverwaltungen 
und für die Wahlen der Vertreter und Senatoren der Ver- 
einigten Staaten. Jede politische Partei brauchte mehrere 
Millionen Dollar für die verschiedenen Wahlausgaben, wozu 
auch die großen Summen für die politischen „Antreiber“ in 
jedem Staate gehörten; desgleichen die Gelder zum Kauf 
von Stimmen. 
So waren zwei Senatoren der Vereinigten Staaten durch 
das Parlament eines jeden Staates zu wählen. 1886 ent- 
brannte in einem gewissen Parlamente ein Kampf wegen der 
Senatorwahl. Es war klar, daß derjenige gewählt werden 
würde, der das meiste Geld austeilen konnte. Da schrieb 
James G. Blaine, damals ein bekannter Politiker der repu- 
blikanischen Partei, an Andrew Carnegie und fragte an, ob 
er nicht zehntausend Dollar in diesen Senatorenkampf „ein- 
legen“ möchte? Und Carnegie gab diese „Einlage“. Eine 
ähnliche „Einlage“ machte er bei der Präsidentenwahl im 
Jahre 1888, wobei Harrison zum Präsidenten erwählt wurde 
— eine Wahl, die durch die offensichtlichste Bestechung 
markiert ist. Harrison machte Blaine zum Staatssekretär 
für das Innere. Zufällig; hatte Carnegies Schlußstein- 
Brückengesellschaft gegen eine zentralamerikanische Re- 
publik eine alte Forderung von 200 000 Dollar, die schwer 
einzutreiben war. Als aber Blaine Staatssekretär wurde und 
liebenswürdigerweise etwas „diplomatischen Druck“ aus- 
äbte, wurde die Zahlung bald geleistet. 
Diese politischen „Einlagen“ sind seitdem von Carnegie 
fleißig fortgesetzt worden. Bei dem Verhör vor der Kon- 
greßkommission, die kürzlich die Wahlbeiträge untersuchte, 
zeigte es sich, daß Carnegie bei den Wahlen von 1904 für 
den Roosevelt-Fonds 10000 Dollar gespendet hatte, und 
ebenso wurde ermittelt, daß er 1912 für einen Fonds zur 
Wiederwahl von 'Taft 25 000 Dollar gegeben hatte (dieser 
lediglich für T’afts Wiederwahl bestimmte Fonds betrug 
250 000 Dollar). 
Der Gesamtbetrag der Summen, die Carnegie während 
seines Lebens für politische Wahlfonds gegeben hat, ist 
sehr groß. In wie musterhafter Weise die regierenden Mächte 
sich für seine Schenkungen revanchierten, zeigte sich deut-
	        
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