Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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eine so riesige Summe — 447 Millionen Dollar — für die 
Besitztümer der Carnegie-Gesellschaften bekam, die höch- 
stens 160 Millionen Dollar wert waren, war er höchst ver- 
gnügt und selbstzufrieden. Hatte er doch Morgan, den 
Finanzmonarchen, ausgestochen und einen nie dagewesenen 
Coup geschäftlicher Schläue gemacht. Aber zu seiner maß- 
losen Verwunderung und Kümmernis merkte er bald, daß 
er schließlich. doch nicht alle Kühe gemolken hatte, die er 
hätte melken können. 
Wie er das enorme Anschwellen der Stahltrust-Aktien 
sah und die dicken Profite, die Morgan und Genossen ein- 
steckten, sagte er sich voller Trauer, daß er mindestens 
zoo Millionen Dollar mehr hätte fordern sollen. Als er 
Morgan zufällig bei einer Reise nach Europa auf einem 
Dampfer traf und dieser Meinung ihm gegenüber Ausdruck 
gab, sagte Morgan ihm kühl und kurz: wenn er weitere 
100 Millionen Dollar gefordert hätte, hätte er sie auch be- 
kommen — eine bittere Pille, die Carnegie noch nicht ganz 
verdaut hat. Er brachte dies kürzlich, am 10. Januar 1912, 
öffentlich zum Ausdruck, indem er vor der Untersuchungs- 
kommission des Kongresses ausrief: „Ich verstehe nicht, 
wie ich solch ein Narr sein konnte, der Stahlkorpora- 
tion meine Besitztümer für 430 Millionen Dollar zu ver- 
kaufen!“ 
Man weiß in der Wallstreet, daß die Stahltrustmagnaten 
für Carnegie noch eine andere Überraschung in petto haben 
tür den Fall, daß der Stahltrust sich jemals auflösen, oder 
daß die Obligationen, die Carnegie in Händen hat, jemals 
zufällig unvorhergesehenerweise gekündigt werden sollten. 
Diese Obligationen liegen natürlich auf den früheren Car- 
negie-Werken, und seit der Gründung des Stahltrustes haben 
die Trustmagnaten ein großes modernes Werk zu Gary 
(Indiana) gebaut und andere Werke so sehr vervollkommnet, 
daß Carnegies Werke im Vergleich damit mehr oder weniger 
veraltet sein sollen. Sollte Carnegie versuchen, zu kündigen, 
;o würde er merken, daß seine Obligationen auf Werken lie- 
gen, die sozusagen Plunder wären. Das sind die Obligatio- 
nen, wie wir hinzufügen wollen, die er in seinen zahlreichen 
philanthropischen Gründungen so freigebig verteilt.
	        
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