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werden sie häufig Agitatoren und ziehen als feurige Missio-
nare aus, um sowohl das gewerbliche wie das ländliche Prole-
tarlat geistig aufzuwecken und zu belehren. Diese Verschie-
bung und Vermischung von verschiedenen Arten der Arbeit,
dieses abwechselnde Durcheinander von ländlicher und ge-
werblicher Beschäftigung übt die tiefgehendste, zur Gärung
treibende Wirkung aus, deren vollen Umfang man bis jetzt
noch nicht berechnen kann. Bis vor wenigen Jahren war das
ländliche Proletariat gegenüber den Interessen der Mittel-
standsbewegung der Farmbesitzer im allgemeinen nach-
giebig und sich der Tatsache nicht bewußt, daß es zum
Proletariat gehöre. Die großen Veränderungen, die jetzt
stattfinden und das ländliche und gewerbliche Proletariat
verschmelzen, verkünden das Heranstürzen einer tiefreichen-
den sozialen Umwälzung, die wohl geeignet ist, die größte
Beunruhigung unter den herrschenden Klassen hervorzu-
rufen.
Das gebildete Proletariat
Bevor wir zu einer Betrachtung des gewerblichen Pro-
letariats schreiten, ist es notwendig, kurz auf ein in nebel-
hafter Bildung begriffenes Proletariat hinzuweisen. Da es
die Kraft geistiger Regsamkeit, ein gewisses Maß von Muße
und die Fähigkeit zum Agitieren besitzt, hat dieses im Ent-
stehen begriffene Proletariat seinen unverkennbaren Einfluß,
Dieses besondere, wachsende Proletariat ist das „gebil-
dete“ oder „geistige‘“ Proletariat. Die letzten zugäng-
lichen Listen der Volkszählung berichteten von I 258 538
Personen, darunter 827 941 männliche, die gebildete Be-
rufe haben. Aber mit der charakteristischen Undeutlich-
keit offizieller Berichte machen die Listen keinen Unterschied
zwischen den für Lohn arbeitenden „Intellektuellen“ und
denen, die ihr eignes Geschäft haben. Wir können aber
eine annähernde Schätzung erreichen.
Von den 34760 Schauspielern, berufsmäßigen Schau-
stellern usw. sind beinahe alle Lohnempfänger und sich
vollständig bewußt, daß sie von der Gnade eines habsüch-
tigen und gewöhnlichen Theatertrusts abhängen, der sie