Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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Diese beruflichen Klassen als ein bestehendes Proletariat 
zu bezeichnen, wäre augenscheinlich absurd. Wie arm auch 
viele ihrer Mitglieder, wie gering auch Lohn oder Gehalt 
sein mögen, so nehmen sie doch als Ganzes eine Überlegen- 
heit über die Handarbeiter für sich in Anspruch. Da sie sich 
in einer Atmosphäre von Wohlerzogenheit und Achtbar- 
keit bewegen, die oft unecht genug ist, versuchen sie sich mit 
einer Miene des Standesbewußtseins und Ansehens zu um- 
kleiden. Trotz alledem wirken materielle Kräfte rasch zu- 
sammen, um diese angenommene Abgeschlossenheit nieder- 
zubrechen. Wie auch immer die Ansprüche dieser beruf- 
lichen Gruppen beschaffen sein mögen, es lastet auf ihnen 
die schreckliche Gewalt des wirtschaftlichen Druckes. Die 
Lebenspreise sind in den letzten zehn Jahren um reich- 
lich 50 Prozent gestiegen — abgesehen von den Mieten; 
und während die geübten und oft auch die ungeübten 
Arbeiter mit Hilfe ihrer Organisationen, Streike, Boykotte 
und anderer Mittel eine gewisse, wenn auch ungenügende 
Zulage erzwungen haben, sind die Löhne und Gehälter 
großer freiberuflicher Gruppen unverändert geblieben. Die 
dauernd auferlegte Notwendigkeit, in Kleidung und Woh- 
nung einen guten äußeren Schein aufrechtzuerhalten, 
hat eine quälende Armut zur Folge, die um so schärfer 
gefühlt wird, als Klugheit sie zu verbergen zwingt. Diese 
Tatsache ist auch für die Hunderte und Tausende von 
Kommis, Verkäufern, Verkäuferinnen und andern solchen 
mit dem Verkauf von Handelserzeugnissen beschäftigten 
Arbeitern zutreffend, wenn auch diese Arbeiter nicht in 
die freiberuflichen Gruppen eingereiht sind. 
Im allgemeinen sind deshalb die „geistigen Arbeiter“ 
durchaus nicht mit den bestehenden Verhältnissen zufrie- 
den, unter denen die meisten von ihnen infolge der niedrigen 
Löhne und Gehälter bei nur geringer Aussicht, vorwärts- 
zukommen, leiden. Diese Unzufriedenheit bedeutet aber 
noch lange nicht, daß sie sich selbst zum Proletariat rechnen. 
Ihre Art der Erziehung, ihre Umgebung, das Fehlen jeder 
Berührung mit der Maschinenarbeit und ihre persönliche 
Geistesrichtung haben dazu geführt, daß sie für sich eine 
besondere Stellung beanspruchen und die Ideen und
	        
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