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die Verhältnisse nicht besser. Von der Durchschnitts-
zahl von 378880 Arbeitern in der Textilindustrie sind
128 000 Mädchen und junge Frauen, und 40000 sind
Kinder. Mehr als ein Drittel dieser Mädchen und jungen
Frauen sind zwischen 16 und 20 Jahre alt, und eine große
Anzahl der Kinder steht unter dem vorschriftsmäßigen
Alter von 16 und 14, in einigen Staaten von 12 Jahren.
Die Gesetze werden vermittelst betrügerischer Bescheini-
gungen umgangen; es wird eine große Zahl von Kindern
beschäftigt, die nicht das vorschriftsmäßige Alter haben;
mehr als die Hälfte der Baumwollspinnereien sind voll von
Kindern in zartem Alter, die für weniger als neun Cent
die Stunde arbeiten. Die Arbeiter in den Baumwollspin-
nereien Neu-Englands bilden eine bunte Ansammlung von
französischen Kanadiern und beinahe jeder Art. von euro-
päischen Einwanderern, unter denen die Polen und Ita-
liener vorherrschen; in den südlichen Baumwollspinnereien
wird die Arbeit beinahe vollständig von Eingeborenen,
Weißen und Negern geleistet.
In 44 Baumwollspinnereien Neu-Englands beläuft sich
nach einem umfassenden Bericht des U. S. Bureau of Labor
über „Frauen- und Kinderlohnarbeit in der Baumwoll-
textil-Industrie‘“ der durchschnittliche Wochenlohn der
großen Masse der männlichen Arbeiter auf 5 bis 6 Dollar.
Die am besten bezahlte Stufe aller Textilarbeiter — die
Weber — erhalten nicht mehr als einen Durchschnittslohn
von 8,78 Dollar wöchentlich. Die Bezahlung der großen
Masse der Frauenarbeit schwankt zwischen 4,85 Dollar bis
zu weniger als 6 Dollar; für die höchste Stufe der weiblichen
Arbeiter, die Weberinnen, beläuft sich der Lohn auf weniger
als 8 Dollar wöchentlich.
Das Geldstraten- und Schuldsystem
Aber selbst diese armseligen Löhne, die man gewöhnlich
„Hungerlöhne“ nennt, werden selten ausgezahlt; durch ein
klug ersonnenes, strenges System von Geldstrafen wird den
Arbeitern oft ein Viertel entzogen. Geldstrafen werden
nicht nur für „unvollkommene: Arbeit“ und Verspätung