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bis 525 Dollar; in vielen Fällen belaufen sich die jährlichen
Löhne nur auf ungefähr 360 Dollar.
Einen großen Teil dieser Löhne behalten viele der
Kohlengesellschaften in der Form von Mieten und Un-
kosten. Dem Anscheine nach besondere Körperschaften,
tatsächlich aber dieselben Gesellschaften, bilden einen mäch-
tigen Kohlentrust. Durch ein System von Gesellschafts-
warenhäusern, die viele von ihnen betreiben, erpressen sie
Wucherpreise (die oft doppelt so hoch sind, wie die von
unabhängigen Detailhändlern verlangten), indem sie Waren
und Lebensmittel an die Grubenarbeiter verkaufen. Gleich-
zeitig besitzen und verwalten die Kohlengesellschaften Ge-
sellschaftsmiethäuser, für welche übertrieben hohe Mieten
gefordert werden. Hier und da besitzt ein Bergarbeiter
vielleicht ein eignes Haus, aber die meisten der Bergleute
leben in den elenden Gesellschaftshäusern. Viele der Miet-
verträge, die die Grubenarbeiter zu unterzeichnen ge-
zwungen werden, enthalten eine Klausel, die eine Kündi-
gung festsetzt für den Fall, daß der Angestellte die Arbeit
verlassen oder entlassen werden sollte. Der Bericht des
U. S. Bureau of Labor über den „Bergarbeiterstreik in dem
Steinkohlengebiet in Westmoreland County, Pennsylvania,
1910/11“ berichtet (S. 57), daß tausend Familien auf diese
Art unbarmherzig hinausgesetzt wurden und daß unter
den Vertriebenen mehrere Frauen in anderen Umständen
waren. Diese Familien wurden gezwungen, in Zelten zu
leben, die von der Gewerkschaft der Bergleute besorgt
wurden. „Die meisten der Zelte,‘ heißt es in dem Bericht,
„hatten nur je einen Raum und gestatteten den Frauen
und Kindern kein Alleinsein ... Beinahe hundert Kinder
wurden in diesen Lagern von Zelten und Blockhütten
während der 14 oder ı5 Monate, in denen sie bewohnt
wurden, geboren, und die Sorge für die Mütter war not-
wendigerweise ganz unangemessen . . .““
Dieselben wohlbeglaubigten Grausamkeiten kamen wäh-
rend des noch kürzere Zeit zurückliegenden Streiks von
fünftausend Grubenarbeitern in dem Kanawha- Tal in West-
Virginia vor. Bewaffnete Raufbolde trieben Männer, Frauen
und Kinder unterschiedslos in brutaler Weise aus den