Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 2)

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Diebstahl durch Macht und Glanz belohnt 
Mit fünfundvierzig Jahren besaß Gould mehr als 100 Mil- 
lionen Dollar, Er war vor der Zeit alt geworden; sein Bart war 
mit Grau gemischt, sein Haar dünn, und sein gebräuntes, 
galliges, finsteres Gesicht war von harten tiefen Linien durch- 
furcht. Seine Gestalt war zusammengeschrumpft, so daß er 
noch unbedeutender aussah als je zuvor. Aber wenn er reiste, 
konnte niemand die Zeichen fürstlicher Macht mißver- 
stehen. Von einem Ende des Landes bis zum anderen fuhr er 
in einemschön eingerichteten, palastartigen Eisenbahnwagen, 
der mit allem zu jener Zeit erdachten Komfort und Luxus 
ausgestattet war — mit einem Aussichtszimmer, einem 
Wohnzimmer, einer Speisehalle, Schlafzimmern, einer Küche 
und Räumen für die Gepäckträger. Seine Jacht, Atalanta, 
war wirklich prächtig. Seine Lebensweise war so, wie sie 
sich für einen vollendeten Magnaten geziemte. In Irving- 
ton am Hudson lebte er zurückgezogen in einem großen, 
kostbaren, von 500 Morgen umgebenen Herrenhause. Mit 
diesem verbunden war eins der schönsten Gewächshäuser 
der Welt. Seine Stadtwohnung in New York war ein 
massives, düsteres Haus aus dunkelbraunem Sandstein an 
der nordöstlichen Ecke der 5. Avenue und 47. Straße, recht 
im Mittelpunkte des aristokratischen Viertels. 
Er besaß jedoch noch manche andere gewaltige Macht, 
die nicht in äußerem Pomp zutage trat. Jahrelang besaß 
er eine Zeitung, die New Yorker „World“; es war merk- 
würdig, zu sehen, wie einer der größten Räuber, der so 
manches Mal nur mit genauer Not dem Gefängnis entgan- 
zen war, das Publikum in bezug auf seine Pflicht und Moral 
in politischer und anderer Hinsicht unterwies. Aber die 
oekannte Tatsache, daß die Zeitung Gould gehörte, trug 
auch dazu bei, den Wert ihrer Äußerungen herabzusetzen 
ınd ihre Verbreitung zu beschränken‘). 
Viel erfolgreicher und hinterlistiger beeinflußte er die 
1) Aber als Gould die „World“ an Joseph Pulitzer verkauft hatte, wurde diese 
Zeitung eine der bittersten Anklägerinnen Goulds, wahrscheinlich mit der Absicht, 
sich vor der öffentlichen Meinung soviel wie möglich von der Tatsache loszulösen, 
daß sie früher Gould gehört hatte,
	        
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