Full text: Die Theorie der Volkswirtschaft

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gerber, wandern von Dorf zu Dorf, arbeiten im Hause des Kun 
den, erhalten dabei Kost und alles andere, einen Teil ihres Lohnes 
aber auch in Geld. Nur in ganz abgelegenen Gegenden gibt 
es Handwerker, die ausschließlich in natura entlohnt werden. 
Gewisse soziale Verhältnisse veranlassen einen immer größe 
ren Teil der Bevölkerung, sich mit Gewerben zu beschäftigen. 
Die Expropriation des bäuerlichen Grundbesitzes oder die Ent 
eignung der Produkte der kleinen bäuerlichen Wirtschaften, die 
einen Teil der vorhandenen Bevölkerung oder den natürlichen 
Zuwachs zwingt, eine Beschäftigung außerhalb der Landwirt 
schaft zu suchen, — jedes dieser Momente oder alle zusammen, 
die eine Erhöhung der Handwerkerzahl bewirken, rufen auch eine 
Änderung des Charakters des Gewerbes hervor. 
Mit der Zunahme der Handwerkerzahl in irgend einem Ge 
biet — auf dem platten Lande oder in der Stadt — wird es für 
viele von ihnen unmöglich, sich durch reine Kundenproduktion 
zu unterhalten, und sie sehen sich gezwungen, den Konsumenten 
aufzusuchen oder für einen unbestimmten Markt zu arbeiten. 
Ein Wanderhandwerker zieht nach einem anderen Orte, wenn 
er in seinem Heimatdorfe nicht genug Bestellungen erhält; ein 
ansässiger wird dagegen im gleichen Falle die Bestellungs- durch 
Marktarbeit zu ergänzen suchen. 
Der Charakter der Rayonwirtschaft wird auch dann, wenn 
die Handwerker für den Markt zu arbeiten beginnen, noch nicht 
geändert, weil dieses Absatzgebiet noch ein lokales ist und nur 
die nächsten und unmittelbaren Konsumenten der Handwerks 
erzeugnisse umfaßt. Der Stadtbasar und der Jahrmarkt er 
leichtern bloß den Verkehr zwischen dem Handwerker und dem 
Konsumenten seiner Erzeugnisse. So kann man für die Rayon 
wirtschaft als typische Form des Handwerks die annehmen, bei 
der der Handwerker seine Erzeugnisse unmittelbar an den Kon 
sumenten absetzt. 
Auf dieser Entwicklungsstufe aber beginnt schon das Handels 
kapital als Vermittler in die wirtschaftlichen Verhältnisse einzu 
dringen, da der Handwerker das Rohmaterial häufig nur vom 
Händler erhalten kann.
	        
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