— 105
vertrauensvoll übergeben worden war von einem Schwarm
von Deponenten, die entweder dafür arbeiteten oder
gegebenenfalls dafür stahlen, denn die Bankiers stellen
ja, wie die Pfandleiher, keine Fragen. Das größte ihrer
Privilegien aber war das Recht, Geld zu fabrizieren. Der
industrielle Fabrikant konnte keine Waren herstellen, wenn
or nicht die nötigen Anlagen, Rohmaterialien und Arbeits-
kräfte hatte. Der Bankier aber konnte, einigermaßen wie
die berühmten Alchimisten, das luftige Nichts in Bank-
noten verwandeln und dann gesetzlich ihre Anerkennung
erzwingen. Der einzelne Händler oder Grundbesitzer ohne
die Unterstützung des Gesetzes konnte kein Geld fabri-
zieren. Aber man lasse Händler und Grundbesitzer sich
zusammentun, man lasse sie ein gewisses Ding, das sich
Gesetzgebung nennt, beschwatzen und bestechen, ihnen
ein Stück Papier mit dem Namen Konzession zu verleihen,
und siehe da! sie sind sogleich in Geldfabrikanten ver-
wandelt.
Aber wie waren diese Staats- oder Regierungs-Autori-
sationen, Konzession genannt, zu erlangen ? Verbot nicht die
Bundesverfassung den Einzelstaaten, den Banken das Recht
zu geben, Geld in Umlauf zu setzen? Waren nicht private
Geldfabriken ausdrücklich ausgeschlossen durch die Klausel
der Verfassung, daß kein Staat „Geld prägen, Kredit-
zeld emittieren oder irgendein anderes gesetzliches Zah-
lungsmittel außer Gold und Silber einführen dürfe“?
Hier zeigte sich wieder einmal in schönster Pracht, wie
die Regierung von der Unternehmerklasse beherrscht wurde.
Der einseitige Aufschwung der Handelsklasse konnte durch ein
so gewichtiges Hindernis wie einen Verfassungsparagraphen
nicht aufgehalten werden. Immer, wenn die Verfassung
den wirtschaftlichen Wünschen im Wege stand, ist sie ab-
geschafft worden, nicht durch Widerruf, sondern durch
das wirksame Auskunftsmittel juristischer Deutelei. Die
Unternehmerklasse verlangte Banken mit dem Recht, Geld
in Umlauf zu setzen; und da die Gerichte in den langen
Zeitläufen unerschrocken den Interessen und Wünschen
der beherrschenden Klasse gehorcht haben, so fällten sie
denn auch prompt die Entscheidung, der Ausdruck „Kredit-