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Religion gemacht hatte, und mit einem Blick voll strahlenden
Entzückens auf die lange Liste seiner Besitzungen schied er
dahin, am 29. März 1848, als eben die Nachrichten von
der französischen Revolution eintrafen und die Arbeiter
zu begeisterten Umzügen veranlaßten.
Der alte Kaufmann hinterließ ein Vermögen, das auf über
20 Millionen beziffert wurde. Die Hauptmasse fiel William
B. Astor zu. Die Höhe des Reichtums, den das Testament
erschloß, machte gewaltigen Eindruck. Niemals war ein
so reicher Mann dahingeschieden; das Volk war nicht an den
Gedanken gewöhnt, daß ein Einzelner Millionen Dollar
besessen haben sollte. Die Zeitungen bemerkten, nachdem
sie sein persönliches Vermögen auf sieben oder neun Millio-
nen Dollar angegeben hatten, mit Recht, daß es für die
menschliche Vorstellungskraft gleich wäre, ob es sich um
eine, um sieben oder um neun Millionen handle. — Eine
gänzlich abweichende Meinung in all der Verhimmlung,
mit der man Astors Taten überschüttete, vertrat nur James
Gordon Bennett, der Besitzer und Herausgeber des New
Yorker „Herald“, der in der Nummer vom 5. April 1848
folgendes schrieb:
„Wir geben in unseren Spalten eine authentische Kopie
von der größten Kuriosität des Jahrhunderts — vom Testa-
ment John Jacob Astors, der über ein Vermögen von über
20 Millionen Dollar zugunsten seiner verschiedenen Nach-
kommen ersten, zweiten, dritten und vierten Grades ver-
fügt... Wären wir bei John Jacob Astor Teilhaber ge-
wesen... ., so hätten wir ihm vor allem die Idee beigebracht,
daß die Hälfte seines ungeheuren Vermögens —
mindestens zehn Millionen — der Bevölkerung
von New York zukommt. Während der letzten Jahre
seines Lebens hat sich sein Besitz durch die gemeinsame
Intelligenz, den Fleiß, die Unternehmungslust und den
Handel New Yorks um die volle Hälfte seines Wertes ver-
mehrt. Die Farmen und Grundstücksparzellen, die er vor
vierzig, vor zwanzig, vor zehn und fünf Jahren gekauft hat,
sind lediglich durch den Fleiß der Bürger New Yorks im
Werte gewachsen. Daher ist es so klar wie 2 X 2 = 4 daß die
Hälfte seines Vermögens der Allgemeinheit gehört.“