Full text: Die Nationalökonomie in Frankreich

148 
Die gegenwärtige Lage der liberalen Schule 
klären, indem er das Band, das ihn mit der römischen Hoch 
finanz verknüpfte, unter anderem am Beispiele des Finanziers 
Rabirius vor Augen führt. Guiraud fällt in den Fehler Georg 
Ebers': er führt das Altertum in allzu modernem Gewände vor. 
Er treibt die Analogie zwischen den Einrichtungen und Ver 
hältnissen der heutigen Wirtschaftsordnung mit denjenigen der 
griechischen Stadtstaaten und des römischen Reiches bis zur 
vollständigen Identifikation. Und innerhalb der antiken Welt 
erkennt er zu wenig die Verschiedenheiten der aufeinander 
folgenden Entwicklungsphasen. Es genügt eben nicht, in der 
Geschichte nur lesen zu wollen, daß gewisse allgemeine Trieb 
federn des menschlichen Handelns zu allen Zeiten dieselben 
sind. Guiraud, der ein vorzüglicher Kenner des klassischen 
Altertums ist, würde diesem in höherem Maße gerecht, wenn 
er ein ebenso guter Kenner des heutigen Standes der Wirt 
schaftswissenschaft wäre. 
5. Kapitel. 
Die Gruppe der Ingenieure und die mathematische Methode in 
der liberalen Schule. 
Die Besonderheit der Anschauungsweise in wirtschaftlichen 
Dingen, welche wir hier im Auge haben, ist wesentlich durch 
den Bildungsgang und die Berufsarbeit des Ingenieurs bedingt. 
Sie wird gekennzeichnet durch die Verwendung der mathe- 
mathischen Methode, das mechanisch - naturwissenschaftliche 
Denken und die besondere Beachtung, welche der technischen 
Seite der Unternehmen geschenkt wird. Als Vertreter dieser 
Richtung nennen wir den Bauingenieur Colson. Es bedarf jedoch 
kaum des Hinweises, daß dieser vermöge seiner Lehrtätigkeit an 
der Ecole nationale des Ponts et Chaussées in der 
französischen Technikerwelt vielseitigen Anhang besitzt. 
Das mechanisch-naturwissenschaftliche Denken und in Ver 
bindung damit das arithmetische, ziffernmäßige Beispielgeben finden 
wir bereits an der Wiege der klassischen Schule. Descartes 
und Hobbes und nach ihnen die Physiokraten pflegten beides.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.