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In den vierzehn Jahren bis 1867 hatte die New Yorker
Zentraleisenbahn über eine halbe Million Dollar ausge-
geben, um zu Albany Gesetze zu kaufen und „ihre Aktionäre
gegen schädliche Gesetzgebung zu schützen“. Als einer
der Hauptaktionäre der Eisenbahn muß auch John Jacob
Astor junior einer der maskierten Teilnehmer an diesen
ständigen Bacchanalien der Bestechung gewesen sein. Aber
die Korruption, die vor 1867 statthatte, ist, so schlimm sie
war, ziemlich unbedeutend im Vergleich zu dem Auf-
schwung, den sie 1868 und 1869 nahm. Und hier mag eine
bezeichnende Episode angeführt werden, die zur Genüge
beweist, wie die Kapitalistenklasse stets darauf aus ist,
ihr Geld denen in die Hände zu geben, die sich in der Er-
zielung großer Profite und in der Bestechung öffentlicher
Körperschaften als Meister erwiesen haben.
Bestechung und Geschäft
” Im Aufsichtsrat der New York- und Harlem - Eisen-
bahn hatte Cornelius Vanderbilt bewiesen, mit was für be-
merkenswerten Erfolgen er Parlamente und Stadtverord-
netenversammlungen mit Bestechungsgeldern zu über-
schwemmen und unlautere Bewilligung von Gerecht-
samen und Gesetzen zu erlangen wußte, die viele Hunderte
von Millionen Dollar wert waren. Eine Zeitlang kämpfte
die New Yorker Zentraleisenbahn gegen ihn; sie bestach,
wo er bestach; wenn er einschüchterte, schüchterte sie auch
ein. Aber Vanderbilt war bei weitem der gewiegtere.
Schließlich erkannten die Aktionäre, daß er der Mann sei,
ihre Sache auf die Beine zu bringen, und am 12. November
1867 übertrugen John Jacob Astor junior, Edward Cunard,
John Steward und andere, die mehr als 13 Millionen Dollar
an Aktien repräsentierten, die New Yorker Zentralbahn dem
Cornelius Vanderbilt zur Geschäftsführung fit der Be-
gründung, dieser Wechsel würde größere Dividenden für
die Aktionäre herbeiführen und (so schrieben sie zur Er-
bauung der Aktionäre) „die Interessen des Publikums ge-
waltig fördern“. Am Schluß sprachen sie von Vanderbilts
großer und anerkannter Geschicklichkeit. Kaum war