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Prozeß verleiht sich durch seine unwiderstehliche Schwung-
kraft eine ständige Eigenbeschleunigung.
Grund und Boden fast umsonst
Lange bevor die Geschäfte der Firma Marshall Field
& Co. die jährliche Gesamthöhe von 50 Millionen Dollar
erreicht hatten, hatten Field, Leiter und ihre Teilhaber be-
gonnen, in Chicago Land zu kaufen. Wenig Kapital war dazu
nötig. Das tatsächliche Wachstum Chicagos erklärt zur Ge-
nüge, wie ein paar Dollar, die vor fünfzig und sechzig Jahren
in Bodenbesitz gesteckt wurden, seitdem ein automatisch
wachsender Fonds von Millionen geworden sind. Vor
einem Jahrhundert etwa war ja das Blockhaus von John
Kinzie die einzige Wohnstätte auf einer Fläche, die jetzt
von einer wimmelnden und wachsenden Bevölkerung von
1 700 000 Seelen bewohnt wird (nach der Zählung von
1900). Wo sich einst eine einsame Prärie erstreckte, steht
jetzt eine Riesenstadt und preßt, schwarz von F abriken,
eine dumpf murmelnde Bevölkerung in sich zusammen,
Fast zwei Millionen menschlicher Wesen leben dort in
einem Wirbel von Erregung und Tumult und weisen Ex-
treme von Reichtum und Elend auf: die Vielen in schmutzi-
gen Gassen und die Wenigen in fürstlichem Luxus. Man
sagt allgemein, die Stadt beherberge jetzt mehr Millionäre,
als sie 1840 an Wählern besaß.
Im Jahre 1830 war ein Viertelmorgen für 20 Dollar zu
haben — dafür konnte der Käufer sich eine Urkunde sichern,
die ihm das ständige Recht ausschließlichen Eigentums
für sich und alle seine Nachkommen verlieh. Je mehr die
Bevölkerung wuchs, um so größer wurde der Wert, den sie
dem Boden gab; und je dringender ihr Bedürfnis wurde,
um so schwerer wurde es für sie, Land zu bekommen.
Innerhalb von zehn Jahren — etwa um das Jahr 1840 —
war der Preis für einen Viertelmorgen im Zentrum der Stadt
auf 1500 Dollar gestiegen. Ein Jahrzehnt später war der
festgesetzte Wert 17 500 Dollar, 1860 schon 28 000 Dollar.
Chicago wuchs mit großer Schnelligkeit; ein Netzwerk
von Eisenbahnen umspannte die Stadt: Riesenfabriken.