Full text : Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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Beeinflussung der Regierung

Während die Sozialpolitiker die Lehre verkündeten, daß
es nicht Sache der Regierung sei, sich mit anderen Geschäften
 zu befassen als mit dem Regieren — eine Lehre, die den
gewerbetreibenden Klassen gerade recht kam und ihren Wünschen
 entsprach —, entdeckten die kommerziellen Klassen
zu Beginn des 19. Jahrhunderts plötzlich, daß es eine Ausnahme
 gab. Sie brauchten Kanäle, und da sie für diesen
Zweck nicht genügend Mittel zur Verfügung hatten und
für sich selbst keinen unmittelbaren Vorteil sahen, verlangten
 sie vom Staate die Erbauung der Kanäle. Sie wünschten
 also die Durchführung einiger Kanalprojekte seitens
des Staates, da die Kanäle den Handel begünstigen würden.
 Die Kanäle wurden gebaut, aber die kommerziellen
Klassen begingen die Dummheit, sie im Besitz des Volkes
zu lassen.
Dieser Mißgriff wurde nie wiederholt. Wenn Parlamente
und Kongresse so leicht zu veranlassen waren, Millionen
des Volksvermögens in Anlagen zu stecken, die dem Handel
nützten, warum sollte es nicht ebensoleicht sein, sich
außerdem auch den dauernden Betrieb dieser Unternehmungen
 zu sichern? Warum sollte man sich mit einem
Teil begnügen, wenn man alles haben konnte?
Allerdings mußte mit der Volksstimmung gerechnet werden;
 zu jener Zeit prüfte das Volk die Steuererhebüng mit
weit größerer Genauigkeit nach als heute, und man war
nicht willens, das Volksvermögen so anzulegen, daß einzelne
 Privatpersonen den ausschließlichen Nutzen davon
ernteten. Aber es gab ein Mittel, die Wähler zu überlisten
und zu betrügen. Die gewerbetreibenden und grundbesitzenden
 Klassen kannten seine Wirksamkeit, denn sie hatten
es von 1795 an oft genug erprobt, indem sie Parlamente
und Kongreß zwecks Erlangung von Bank- und anderen
Privilegien bestochen hatten. Die Bestechung hatte sich
als höchst wirksam erwiesen. Die Wiederaufnahme dieser
Methode geschah auf viel breiterer Basis, mit weit größeren
Erfolgen und mit einer Geschicklichkeit, die deutlich zeigte,
daß die kapitalistische Klasse durch Erfahrung viel gelernt
            
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