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Vielleicht blieb die wachsende Macht der Arbeiter-
gewerkschaften nicht ohne Wirkung auf diese edlen Geister,
auf die Gerichte. Der Arbeiter war nicht mehr von seinen
Kameraden losgelöst, er konnte nicht mehr als ein schwaches,
hilfloses Individuum achtlos beiseite geschoben werden.
Jetzt hatte er die Macht der Vereinigung und der Organi-
sation. Das eventuelle Übergreifen dieser Macht auf die
Politik erschreckte die herrschenden Klassen. Während bis-
her die Politiker alle Petitionen der Arbeiter mit Gering-
schätzung behandelt hatten in der Überzeugung, daß sie
doch immer blindlings die gewöhnlichen Parteizettel ab-
geben würden, dämmerte ihnen jetzt die Ahnung, daß es
klüger sein möchte, einen Schein von Nachgiebigkeit zu
zeigen und einige Konzessionen zu machen, die, wenn auch
unerheblich, so doch anscheinend wichtig waren. Die
Arbeiterpartei des Jahres 1829 hatte ahnen lassen, was die
Arbeiter ausrichten konnten, wenn sie zu einer bewußten
Klassenaktion aufgerufen würden.
Das Werben um die Stimmen der Arbeiter
In dieser Zeit nun begannen die Staatsmänner die be-
kannte Politik des Werbens um die Stimmen der Arbeiter.
Einige imaginäre Versprechungen von Dingen, die sie tun
wollten, im Verein mit einigen gelegentlichen Gesetzes-
brocken — das bildete den Köder, den die Politiker auswarfen.
Jener geschickte Meister der politischen Kniffe, Präsident
van Buren, erließ am 10. April 1840 schleunigst eine Ver-
fügung, die den zehnstündigen Arbeitstag für die Marine-
werkstätten vom April bis September festsetzte. Vom letzten
Oktober aber bis zum 31. März sollte der Arbeitstag von
Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang währen, welche Zeit
ungefähr nach Abzug der Mahlzeiten zehn Stunden ent-
sprach.
Der politische Trick, den Arbeitern Köder hinzuwerfen,
wurde lange Zeit mit Erfolg betrieben. Aber er wurde
durch andere Methoden verdrängt. Indem versucht
wurde, die Arbeiterführer von ihrem feindlichen Standpunkt
in die bestehenden politischen Parteien hinüberzuziehen