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von ihm durch Vorhang, Schiebetür oder verschiebbare Zwischenwände
getrennt. (Die Schiebetür [oder die einflügelige Tür] ist jedenfalls
rationeller, nimmt weniger Raum in Anspruch als die altmodischen,
aus den »Herrschaftswohnungen« stammenden Zweiflügeltüren.)
Die gleiche Ökonomisierung kennzeichnet die einzelnen Wohn-
-äume. Das Schlafzimmer darf keine Draperien und Polstermöbel
haben; es hat keinen Waschtisch, der nur eingebaut gestattet ist
oder überhaupt in den Baderaum gehört. Auch in den Wohn- und
Eßräumen duldet man keine freistehenden Schränke (»Staubfänger«,
Raumersparnis!), sondern baut sie ein; ebensowenig freistehende
Betten, sondern nur eine eingeschobene, herausziehbare Bettstatt.
Dieses »Schlafabteil« hat eine verteufelte Ähnlichkeit, auch in der
Größe, mit dem Schlafabteil der Eisenbahnwagen. Die Schränke
haben kein Ornament und keine Flügeltüren, sondern Rolläden:
soll man aber auch zu Hause ständig an diese Charakteristika des
Bureaus erinnert werden? Die Türklinken sollen nicht mehr aus
Messing mit einer Messingplatte, .die rasch verunreinigen, sondern
aus schwarzem Kunstharz (Galalith u. a.) mit einer Glasplatte
bestehen; dasselbe gilt von den Teppichstangen. Die Fenster macht
man möglichst groß, größer in der Breite als in der Höhe; man
bringt bequeme, halboffene Terrassen an und auf dem flachen Dache
Dachgärten — zweifellose Vorzüge des neuen Baustils, wenngleich
die kubusartigen Häuser ein wenig an den Orient erinnern. Lobens-
wertes ist von den neuen Stühlen zu sagen: sie haben Schulter-
und Kreuzlehne aus elastischen Stoffen, die Lehnen sind entsprechend
der natürlichen Körperhaltung beim Sitzen geneigt, das Kreuz wird
durch eine vorgerückte kleine Querlehne gestützt u. a. Empfehlens-
wertes ist auch vom modernen Kinderzimmer zu berichten:
keine Ornamente und Säulchen; die Möbel sind so gebaut, daß
auf und mit ihnen Kinder auch spielen können, die kleinen Schränke
bewegen sich auf Rollen usw.
Nun zur modernen Küche. Sie war früher ein ziemlich großer
Raum, in den ein Kohlenherd gesetzt wurde; an den Wänden
standen verschieden große Schränke, ein bis zwei Tische, Stühle; be-
sonders unhygienisch war früher das sogenannte »Tafelbett«. Der
Kochdampf (in Wien »Dunst«) durchnäßte den ganzen Raum, die
Speisegerüche machten ihn und die Nebenräume unbehaglich. In den
Mitteilungen des R. K. W. wird eine sogenannte »Normalküche«
beschrieben. die schon in vielen tausenden Wohnungen eingerichtet