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dieser Methoden sind aus den Berichten ersichtlich. Aber
diese wenigen gestatten einen ganz klaren Überblick. Mit
einem Teil der erbeuteten Gewinne richtete er ein raffinier-
tes Bestechungssystem ein, durch das er und die anderen
Schiffseigentümer Mal für Mal nicht nur den Kongreß und
die Postbehörden beeinflußten, sondern auch postalische
Reformen verhindern konnten. Vierzehn Jahre lang gelang es
Vanderbilt und seinen Genossen, jedes Gesetz im Kongreß
zu Fall zu bringen, das eine Reduzierung der Postbeför-
derungsentschädigung bezweckte.
Das Ende von Vanderbilts Reederlaufbahn
Der Bürgerkrieg mit seinem Kapersystem war eine un-
günstige Zeit für die amerikanischen Handelsschiffe, Jetzt
segann Vanderbilt seine Laufbahn als Eisenbahneigentümer.
Er war damals 69 Jahre alt, ein schlanker, robuster,
kräftiger Mann mit einem finsteren Gesicht von auffallend
roher Kraft. Die Unwissenheit seiner Jugend war nicht
geschwunden; er konnte die einfachsten Worte nicht richtig
schreiben, und seine Sprache war ein sonderbares Gemisch
von Rot- und Kauderwelsch, von Dialekt und Roheit. Es
wurde von ihm erzählt, er könne heftiger, häufiger und
mannigfaltiger fluchen als alle seine Zeitgenossen. Gleich
den Astors war er zynisch, mißtrauisch, verschwiegen und
zeizig. Seine Pläne behielt er vollständig für sich. In seinen
geschäftlichen Angelegenheiten hat er bekanntermaßen nie-
mals die geringste Nachsicht geübt; er verlangte den letzten
Heller, den man ihm schuldig war. Sein Geiz war so sehr
Passion bei ihm, daß er jahrelang nicht dazu zu bringen war,
die völlig verbrauchten, alten Teppiche in seinem Hause,
Washingtonplatz 10, durch neue zu ersetzen. Er las nie
etwas anderes als die Zeitungen, die er beim Frühstück über-
flog. Seinen Kindern gegenüber war er unnachsichtlich
streng; Croffut gibt zu, daß sie Furcht vor ihm hatten. Die
einzigen Zerstreuungen, die er sich gönnte, waren Jagen und
Whistspielen.
Das ist in kurzen Zügen das Bild des Mannes, der in den
nächsten Jahren seine gestohlenen Millionen benutzte, um