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der Gesellschaft weitere wertvolle Privilegien gewährte
und ihr die Erhebung von Wuchertarifen, Erhöhung des
Aktienkapitals und Steuerhinterziehungen ermöglichte,
Auf welche Art diese Verfügungen durchgesetzt wurden,
läßt sich aus der Aussage des Schatzmeisters der New Yorker
Zentraleisenbahn vor einer staatlichen Kommission beur-
teilen. Dieser Beamte gab an, daß die New Yorker Zentral-
eisenbahn von 1853 bis 1867 Hunderttausende für „Legis-
laturzwecke‘“ ausgegeben habe — mit anderen Worten für
die Erkaufung der Gesetze in Albany.
Erwerb durch Ruinierung
Vanderbilt hielt es für unnötig, die Aktien der New Yorker
Zentraleisenbahn zu kaufen, um die Bahn in die Hände zu
bekommen. Er hatte einen viel besseren und schlaueren Plan.
Die Hudson River-Eisenbahn war damals die einzige durch-
gehende Linie von New York nach Albany. Die Passa-
giere und Frachtgüter der New Yorker Zentraleisenbahn, die
nach New York befördert werden sollten, mußten in Albany
den Zug wechseln. Vanderbilt begann jetzt planmäßig
die New Yorker Zentraleisenbahn zu ruinieren. Er erließ
1865 an alle Beamten der Hudson River-Eisenbahn den
Befehl, die Verbindung mit der New Yorker Zentraleisen-
bahn abzubrechen und keine weitere Fracht anzunehmen.
Die Hudson River-Züge, die nordwärts fuhren, kreuzten
den Hudson nicht mehr; sie hielten eine halbe Meile östlich
von der Brücke an, die in die Stadt Albany führte. Dadurch
wurde es unmöglich, die Fracht umzuladen. Die Züge
wurden des Nachts eigenmächtig angehalten, die Lokomotiv-
feuer ausgelöscht, und die Passagiere mußten sich, so gut sie
konnten, nach Albany begeben, zu Fuß oder zu Wagen.
Sie wurden sämtlich aus dem Zuge ausgesetzt — Männer,
Frauen und Kinder —, auf Geschlecht und Gesundheit
wurde keine Rücksicht genommen.
:. Die Legislatur gab sich den Anschein, als solle diese ab-
scheuliche Gewalttätigkeit, wie sie von der öffentlichen
Meinung bezeichnet wurde, näher untersucht werden.
Vanderbilt begegnete dieser Untersuchungskommission mit