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Erwerbung seines Besitzes nicht allzu wählerisch zu Werke
ging. Dafür sind aber, wie sie hervorheben, die Verbesse-
rungen zu beachten, die er bei den Eisenbahnen einführte,
die in seinen Besitz kamen; die Erneuerung der Bahndämme,
die Anschaffung neuer Lokomotiven und Wagen, der Ab-
bruch der alten, abgenutzten Bahnhöfe. Dies Lob ist.ihm
und seinen Methoden gespendet worden,
Wenn man aber der Sache auf den Grund geht, findet man,
daß dies schmeichelhafte Bild, wie alle ähnlichen, sinnreich
gefälscht ist. Tatsächlich wurden diese Verbesserungen nicht
in erster Linie mit Rücksicht auf die Bequemlichkeit des
Publikums vorgenommen, sondern aus zwei ganz anderen
Gründen. Zunächst erwog man, daß, wenn die Dividenden
für das ungeheure Aktienkapital bezahlt werden sollten,
die Bahn natürlich in einen Zustand gebracht werden
mußte, der sie befähigte, die nach Chikago verkehrenden
Konkurrenzlinien auszustechen. Zweitens waren die Ent-
schädigungsansprüche bei Eisenbahnunfällen, die durch un-
genügende Sicherheitsmaßregeln und schlechtes Material
entstanden, so groß, daß es auf die Dauer billiger wurde,
Millionen für Verbesserungen auszugeben.
Staatsgelder für private Zwecke
Anstatt diese Verbesserungen mit einigen wenigen Millio-
nen von dem erhöhten Aktienkapital zu bezahlen, zwang
Vanderbilt (und alle andern Eisenbahnmagnaten in ähn-
lichen Fällen taten das gleiche) den Staatsschatz, einen
großen Teil der Kosten zu decken. Eine gute Illustration
seiner Methode bot der Ausbau seines Passagierbahnhofs in
New York. Von Anfang an verkehrten die Züge auf der
Oberfläche der 4. Avenue. Dutzende von gefährlichen
Straßenkreuzungen hatten Unglücks- und Todesfälle ver-
ursacht. Die allgemeine Forderung, daß die Schienen tiefer
gelegt würden, war nicht erfüllt worden.
Statt diese Forderung noch länger zu ignorieren, kam
Vanderbilt jetzt auf den Gedanken, sie sich zunutze zu
machen; er sah nicht nur die Möglichkeit vor Augen, einen
großen Teil der Kosten auf die Stadt abzuwälzen, sondern