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York- und Harlem-FEisenbahn. Später machte er ihn zu einer
Art Kompagnon, indem er ihn zum Vizepräsidenten der
New Yorker Zentraleisenbahn und zum Mitdirektor anderer
Eisenbahnen ernannte. Es soll eine Qual gewesen sein, die
unermüdliche Ausdauer mit anzusehen, mit der William
H. Vanderbilt tagtäglich versuchte, in die Einzelheiten der
Bahnverwaltung einzudringen. Er gelangte denn auch zu
einer gründlichen Kenntnis. Aber seinem Vater war es
nicht so sehr darum zu tun, daß er das Verwaltungssystem
kennen lernte. Tüchtige Männer für die Verwaltung konnte
man immer engagieren. Sein Vater lehrte ihn die wesent-
licheren Obliegenheiten eines Eisenbahnmagnaten; die
Operationen mit Aktien, Gemeinderäten und Legislaturen;
die Unschädlichmachung der. Konkurrenten und die Aus-
dehnung von Besitz und Macht sowie die Unterdrückung
und, wenn möglich, Vernichtung der Arbeiterorganisatio-
nen.‘ Mit einem Wort, seine Erziehung war ein Duplikat
der Tätigkeit seines Vaters: die Methode des Vaters wurde
dem Sohne eingeimpft.
Für die Situation, in der er sich befand, und in An-
betracht der besonderen Eigenschaften, die für die Ent-
wicklung kapitalistischer Unternehmungen erforderlich
waren, war dies die geeignetste Schule, die er hätte haben
können. Gelehrsamkeit und die Kultivierung vornehmer
Allüren wären gänzlich deplaciert gewesen; seines Vaters
Lehren waren gerade das, was erforderlich war, um seinen
Besitz zu erhalten und zu vergrößern. Bei jedem Schritt
stieß er auf Konkurrenten, die, wenn sie die Möglichkeit
gehabt hätten, ihn ohne Bedenken ruiniert haben würden,
oder auch auf andere Mitglieder seiner eigenen Klasse, die
ihn mit Freuden betrogen hätten. Diese altgewohnten
Geschäftskniffe aber wurden von neuen und unerwarteten
Verhältnissen überflügelt, gegen die es jetzt Stellung zu
nehmen galt.
Anstatt vieler kleiner, einzelner Eisenbahnen, die unab-
hängigen Gesellschaften gehörten und von ihnen betrieben
wurden, waren jetzt kolossale Eisenbahnsysteme begründet
worden. Im Osten waren die kleinen Eisenbahnbesitzer
schonungslos ausgemerzt und ihr Besitztum in den Händen