220 —
gewesen war. Eine Eisenbahn nach der anderen wurde
überredet ‚oder gezwungen, ihnen geheime‘. Tarife und
Rabatte zu bewilligen, die eine Konkurrenz“ unmöglich
machten. Die Eisenbahnmagnaten — William H. Vanderbilt
z. B. — wurden an der Standard Oil Company interessiert,
indem man sie zu Aktionären machte. Mit Hilfe
dieser Geheimtarife konnte die Standard Oil Company eine
Unzahl kleiner Konkurrenten und Zwischenhändler völlig
aus dem Felde schlagen und den Petroleumhandel nicht
nur der Vereinigten Staaten, sondern fast der ganzen Welt
mit Beschlag belegen. Es wurden so fabelhafte Gewinne erzielt,
daß im Verlauf von vierzig Jahren, nach mancherlei
industriellen Gründungen sowie kriminellen Vergehen, die
Standard Oil Company sich mit Leichtigkeit sehr einträglicher
Eisenbahnlinien und anderer Unternehmungen bemächtigen
und die Nachkommen der Magnaten völlig verdrängen
konnte, die sie drei oder vier Jahrzehnte zuvor um
Gewährung von Begünstigungen umschmeichelt hatte.
Die Gesellschaften und die Arbeiterorganisationen
Die Wirkungen dieses großen industriellen Umschwungs
traten 1877 deutlich zutage, so deutlich, daß Vanderbilt,
prophetischer als er selbst glaubte, der Hepburn-Kommission
gegenüber äußerte: „Wenn diese Dinge so weitergehen,
werden die Petroleummänner die Bahnen in die Hände bekommen.“
Gleichzeitig machten sich weitere industrielle
Veränderungen bemerkbar. Mit dem Auftommen und dem
Wachstum gigantischer Kapitalkombinationen oder -konzentrationen
und dem allmählichen Verschwinden der kleineren
Faktoren im Bahnbetrieb und in anderen Geschäftszweigen,
waren die Lohnarbeiter durch die neuen Bedingungen
gezwungen, sich fester zu organisieren.
Zunächst organisierte sich jeder Beruf örtlich, getrennt
von den anderen Gewerkschaften. Da aber die Arbeiter die
Nutzlosigkeit dieser zersplitterten Organisation erkannten,
hatten sie seit einiger Zeit angefangen, sich in eine mächtige
Körperschaft zusammenzuschließen, die sich über einen
großen Teil der Vereinigten Staaten erstreckte. Wohl be-