publikanischen Einfachheit aufrecht, der ein Teil der poli-
tischen Dogmen ist. Die finanziellen und industriellen Herr-
scher sind an derartige Vorschriften der Tradition nicht ge-
bunden.
Dieselbe Bevölkerung, die murrt und sich entrüstet, wenn
ihre politischen Beamten eine Neigung zu Pomp verraten,
findet es ganz natürlich, daß ihre finanziellen und in-
dustriellen Herrscher nach außen ihre Größe markieren.
Diese Zwillingspaläste Vanderbilts, die noch heute von der
Familie Vanderbilt bewohnt werden, waren durchaus an-
gemessen gebaut und sind in Wahrheit der Sitz der Regie-
rung, mehr als die amtlichen Gebäude. Denn die Magnaten
sind in diesen modernen Zeiten die wahren Herrscher der
Nation gewesen; sie haben in der Regel bestimmen können,
wer die politischen Herrscher sein sollten ; die politischen
Parteien sind einfach ihre Werkzeuge gewesen, die Parla-
mente und die Gerichte ihr Sprachrohr. Sie haben, wenn
auch im geheimen, die Macht gehabt, die Staatsbeamten
zu wählen oder abzusetzen und das Parlament anzuerkennen
oder aufzulösen. Warum also sollten sie sich nicht goldene
Paläste bauen lassen?
Ein plötzlicher Umschwung
Der Präsident der Vereinigten Staaten lebte in der
schlichten Einfachheit des Weißen Hauses. William H.
Vanderbilt aber nahm seine Mahlzeiten in einem großen,
luftigen Speisesaal ein, der 26 zu 37 Fuß groß war, im
Renaissancestil ausgeführt, mit einer Täfelung von goldig
schimmernder, köstlich geschnitzter englischer Eiche an
allen vier Wänden und einer reich mit Jagdszenen bemalten
Decke. Auch sein Salon war ein riesiges, fürstlich aus-
gestattetes Gemach, dessen Wände mit schwerem blaß-
rotem Samt dekoriert waren, der mit Blättern, Blumen und
Schmetterlingen gestickt und mit Kristallen und kostbaren
Steinen besetzt war.
Aber sein größter Stolz war seine Gemäldegalerie. Er
verstand nichts von Kunst und machte sich im Grunde wenig
daraus, denn er war ein völliger Materialist: aber es war