Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

vornehm geworden, eine Gemäldesammlung zu haben; er 
gab also nach rechts und links Geld aus, um eine Sammlung 
zusammenzubekommen. 
Er beauftragte Agenten mit dem Ankauf genau so gleich- 
mütig, als handelte es sich um Eisenbahnverträge. Und in 
der Regel war er mit dem Ankauf um so zufriedener, je 
größer die Bilder waren; für ihn wurde die Kunst nach 
Quadratmetern gemessen. Nicht wenige der Gemälde, die 
ihm aufgeredet wurden, waren trotz ihrer Berühmtheit 
recht alltägliche Motive in nachlässiger und traditioneller 
Ausführung, aber er sonnte sich an der Berühmtheit, die in 
den hohen Preisen ihren Grund hatte, die man ihm dafür 
abgeschwindelt hatte. Für eins der Meissonierschen Bilder, 
„Die Ankunft im Schlosse‘“, bezahlte er 40 000 Dollar und 
bei einem seiner Besuche in Paris ließ er Meissonier für 
sieben Bilder 188 000 Dollar zukommen. Erst wenn seine 
künstlerischen Ratgeber überzeugt waren, daß ein Maler in 
Mode kam, war Vanderbilt zu bewegen, Proben seiner Werke 
zu kaufen. Es grenzte ans Wunderbare, wie leicht und billig 
ar in den Ruf eines „Kunstkenners‘“ kam. Es waren keine 
Kenntnisse und kein Urteil erforderlich; durch wenige 
100 000 Dollar verwandelte er sich aus dem schwerfälligen, 
unkultivierten Geldjäger in einen leidenschaftlichen „Kunst- 
xenner und Mäzen‘“. Und diese Anmaßung wurde von den 
Nichtinformierten, die sich ihre Meinung aus den Zeitungen 
bildeten, gläubig angenommen. 
„Das verdammte Volk” 
Wenn er in gewissen Beziehungen vorsichtiger gewesen 
wäre, hätte er für einen äußerst leutseligen, philanthropi- 
schen Mann gelten können. Nach jedem großen Schwindel, 
den er vollführt hatte, pflegte er dem Volk einige bedeutende 
Stiftungen hinzuwerfen. Das lieferte dann für den Chor der 
Schmeichler einen neuen Grund, seine guten Eigenschaften 
zu preisen. Aber er hatte seines Vaters Reizbarkeit und seine 
Verachtung für das Volk, das er ausbeutete, geerbt. Zu 
seinem Unglück ließ er bei einer denkwürdigen Gelegenheit 
seinen Gefühlen freien Lauf. Von einem Reporter befragt,
	        
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