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stande!). Romantik ist dabei überflüssig und die Prälimi-
narien werden den Notaren überlassen.
Zehn Millionen für einen Herzogstitel
1895 wurde bekanntgegeben, daß eine Heirat zustande
gekommen sei zwischen Consuelo, einer jungen Tochter
William K.Vanderbilts, und dem Herzog von Marlborough.
Die Hochzeitsfeier zeigte eine Pracht sondergleichen, Hoch-
zeitsgeschenke im Werte von Millionen wurden dem Paare
überreicht. Weitere Millionen in barem Gelde, die eben-
falls der arbeitenden Bevölkerung Amerikas abgepreßt wa-
ren, wurden verwandt, um das Schloß Blenheim instandzu-
setzen mit seinen zweihundert Dienern und seinem jährlichen
Ausgabenetat von 100 000 Dollar, Weitere Millionen wurden
aus dem Vanderbiltschen Besitz für Jachten und sonstigen
Luxus bezahlt. Nicht weniger als 2 500 000 Dollar wurden
für den Bau von Schloß Sutherland in London verausgabt.
So groß diese Ausgaben waren, verursachten sie doch dem
Vater der Herzogin keine Schwierigkeiten; seine 1898 er-
schwindelten 50 Millionen Dollar machten diese extra-
vaganten Ausgaben mehr als wett. Der Titel Marlborough
war recht kostspielig; es stellte sich heraus, daß es besser
sei, ihn zu behalten als den Mann, der ihn führte; nach
dreizehnjähriger Ehe beschloß das Paar, sich zu trennen, aus
„guten und hinreichenden Gründen“, die zu erforschen
nicht unsere Sache ist. Alles in allem soll der Herzogstitel
William K. Vanderbilt rund 10 Millionen Dollar: gekostet
haben.
Ohne sich durch die Erfahrungen ihrer Kusine Consuelo
abschrecken zu lassen, vermählte sich Gladys Vanderbilt,
eine Tochter von Cornelius, 1908 ebenfalls mit einem Ari-
stokraten, mit dem Grafen Laslo Szechenyi, einem Ange-
hörigen des ungarischen Feudaladels. „Die Hochzeits-
feier,‘ berichtet naiv ein Journalist, „zeichnete sich durch
elegante Einfachheit aus: ihr wohnten dreihundert Ver-
1) Mehr als 500 Amerikanerinnen haben ausländische Aristokraten geheiratet.
Nach einer Schätzung aus dem Jahre 1900 haben sie etwa 220 Millionen Dollar nach
Europa gebracht.