Full text: Denkschrift über die in der Schweiz, Norwegen, Schweden, Kanada und den Vereinigten Staaten von Nordamerika getroffenen Maßnahmen zur Preisstabilisierung des Getreides sowie über die dabei gemachten Erfahrungen

auf 583 112 im Jahre 1920 wieder zurück auf 
162 578 Köpfe im Jahre 192247). 
Der Weizenboden Kanadas liegt zu 95 v. H. in 
drei weit von der See abgelegenen durch unwirtliche 
Landstriche nur schwer zugänglichen Provinzeh, 
Alberta, Sascatchewan und Mauitoba. Der Auf⸗ 
schwung des Landes zum wichtigsten Weizenausfuhr⸗ 
land fällt gänzlich in die letzien dreißig Jahre. Die 
päte Entwicklung erklärt sich aus der physikalischen 
Abgeschlossenheit einerseits und aus der politischen 
Trennung Kangdas von den Vereinigten Sigglen 
andererseits. Den Weizenboden bieten in den drei 
Provinzen ausgedehnte Prärien, die sich östlich von 
den Rocky Mountains in drei Siufen absenken. Die 
Zukunftsmöglichkeiten sind mit den gegenwärtig 
dem Getreidebau dienenden Flächen noch nicht er— 
schöpft. Nach der Schätzung eines von der englischen 
Regierung im Jahde 19825 entsandten Sachver⸗ 
ständigen lassen sich auch bei Aufrechterhaltung der 
gegenwärtig bestehenden Anbau—- und Wirtschafts⸗ 
methoden Anbaufläche und Weizenerzeugung noch 
verdreifachen. Das bedeutet, daß unter gegen⸗ 
wärtigen Bebauungsmethoden 60 Millionen Mres 
24282 000 ha mit Weizen bestellt werden 
können und eine Durchschnittsernte von annähernd 
1000 Millionen, Bushels (27 220 000 t) erzielt 
werden könnte, die ausreichend wäre, 150 Millionen 
Menschen zu ernähren8). 
Im Jahre 19283 wurde die ländliche Bevölkerung 
der Prärieprovinzen auf 1250 000 geschätzt. Die 
Gesamtzahl der bewirtschafteten Farmen in den drei 
Provinzen war 255 500. Von diesen hatten 150 000 
mehr als 200 Acres). In ganz Kanada vermehrte 
sich die Zahl der Faxmen von 1911 bis 1921 nur um 
4,22 v. H.; dabei wiesen die Farmen mit 200 Acres 
eine Zunahme von 48 v. H. auf, die kleineren Be— 
triebe dagegen eine entsprechende Abnahme, d. h. die 
Steigerung der Anbaufläche vollzog sich nicht in der 
Form der Vermehrung der Zahl der Betriebe, 
sondern in der Form der Steigerung des Umfanges 
des einzelnen Betriebs. Es bedeutet das jedoch nicht 
eine Entwicklung zum Großgrundbesitz, sondern 
eine Verstärkung des Überwiegens des Mittelbesitzes. 
So gut wie aller Weizen ist Sommerweizen. Die 
4v. H. Winterweizen von der gesamten Weizenernte 
Kanadas kommen auf die Provinzen Ontario, 
Alberta und Britisch Columbienso). Die klimati— 
schen Verhältnisse nötigen dazu, möglichst schnell⸗ 
reifende Sorten zu wählen, um der Gefahr, daß die 
Ernte von Frost, selbst Schneefällen überrascht wird, 
möglichst zu entgehen. Die Ernte drängt sich wie 
die Aussaat auf kurze Zeit zusammen. 
Nach amtlichen Schätzungen betrugen im Jahre 
1923 die Durchschnittserzeugungskosten für 1 Bushel 
) Nach Canada Vear Book 1924, Ottawa 1925, S. XXVI 
angeführt bei: Dr. Charlotte Leubuscher „Ziel 
und Mittel der Handelspolitik in den britischen Bominions“ 
in Neue Grundlagen der Handelspolitik, 8. Teil. Ver— 
öffentlichungen des Vereins für Soaialpolitik. Leipzia — 
München 1926. S. 61. 
8. Henry Rew, „EKconomic Resources of Oanada“, 
herausgegeben im Auftrage des englischen Ministeriums 
für Landwirtschaft und Fischerei. London 1925. S. 107. 
20) The Economist vom 18. Februar 1926. S. 4803. 
0) Rew, a. a. O. S. 40/49 
Veizen in den drei Prärieprovinzen zwischen 
2 Cents in Alberta bis 104 Cents in Manitoba. 
Dabei muß berücksichtigt werden, daß das Jahr 1928 
die höchste Ernte brachte, die in Kanada jemals 
erzielt wurde, und daß der Ertrag in diesem Jahre 
n Alberta ein besonders reicher war“). Die Erute 
es Jahres 1924 betrug der Menge nach 55 v. H. 
der Ernte von 1928. Die Gestehungskosten sind 
emnach für dieses Jahr entsprechend höher au— 
usetzen. Man wird die mittleren Erzeugungskosten 
ür die Durchschnittslage in den drei Provinzen 
ind eine Durchschnittsernte auf 120 Cents per 
Bushel ungesackt und ungereinigt, verladen auf 
Bahnstationen in der Provinz annehmen können. 
Die Kosten der Verfrachtung auf Eisenbahnen und 
Binnenwasserstraßen, Überseefracht, Kommissions⸗ 
jewinn, Gebühren für die Klassifizierung, Lade— 
gelder, Zinsen, Versicherung usw. bis Liperpool 
verden in einer im Oklober 1924 vom Statistischen 
Büro des Dominions Kanada herausgegebenen Auf— 
tellung mit 897,81 8 für 1000 Bushels, also anf 
und 40 Cents für den Bushel berechnet. Danach 
vürde durchschnittlich ein Preis von 160 Cents füt 
— 
ür den kanadischen VLandwirt die Deckung der Ge— 
tehungskosten einer mittleren Ernte bedeuten. 
Die Ausfuhr geht entweder über Vancouver oder 
ie Zwillingshäfen am Oberen See Fort William 
ind Port Arthur. Erst in den letzten Jahren ge— 
pinnt Vancouver an Bedeutung. Von der Eruͤte 
920,21 wurden von dort wenig mehr als Mil- 
'onen Bushels verschifft. Zwei Jahre später gingen 
8 Millionen Bushels über Vancouver, und der 
Unteil der Ernte 1928/24, der nach Vancouver ging, 
etrug über 50 Millionen Bushels, also etwa den 
ünften bis sechsten Teil der Ausfuhr. Der über 
kort William und Port Arthur am Endpunkt des 
Reren Sees über die großen Seen verschiffte 
Veizen nimmt sehr verschiedene Wege nach der Ost— 
üste und wird von acht verschiedenen Küstenplätzen, 
eils von den Vereinigten Staaten, teils von Ka— 
iada aus, verschifft. Von den Ernten der Jahre 
g22,23 und 1923/24 nahmen die Vereinigten 
SZtaaten 6 bis 7 p. H. auf. Nach England gingen 
6 bis 70 v. H. Von den Überseeverschiffungen 
erfolgten 40 bis 47 v. H. von den kanadischen Häfen 
us, der Rest, d. h. 60 bzw. 53 v. H. wurde von 
merikanischen Häfen aus verschifft“). 
Von der gesamten Weizenausfuhr von Kanada 
jehen 2V v. H. in der Form von Mehl ins Ausland. 
Der Handel ist spezialisiert und von dem Weizenhan— 
zel vollständig unabhängig. Englische Mehlimpor— 
eure kaufen gewöhnlich unmittelbar von den kanc— 
ischen Müllern. Im Jahre 1921 gab es in Kanada 
24 Mühlenbetriebe, von denen sich 269 in der 
Provinz Ontario und 192 in der Provinz Quebec 
»efanden, Montreal war von den frühesten Zeiten 
jer das Hauptzentrum für die Mühlenindustrie und 
zält seine Vormachtstellung noch inne's). Diese 
Zentren der Mühlenindustrie liegen bon den 
Weizenerzeugungsbropvinzen weit ab. Die Ver— 
5) Rew, a. q.O, S. 68. 
») Rew, a. a. O. S. 74. 
ba) Rew, a. a. O. S. 88
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.