der Messengerboy „wußte ebenfalls von nichts“. Diese
hunderttausend Aktien warfen Drew, Gould und Fisk sofort
auf den Aktienmarkt. Niemand hatte den leisesten Verdacht,
daß die gerichtliche Verfügung übertreten wurde. Folglich
kauften Vanderbilts Makler für Millionen von diesen Aktien
an; auch andere Personen kauften. Sobald die Schecks ein-
gingen, verwandelten Drews und seine Partner sie in bares
Geld.
Gould und seine Partner flüchten mit Millionen
Der Tag war noch nicht zu Ende, als Vanderbilt zu seiner
Wut und Überraschung erkannte, daß er um 7 Millionen
Dollar gepreillt worden war. Auch andere Käufer waren um
Millionen betrogen. Der alte Mann war in die Falle gegan-
gen: diese Tatsache quälte ihn am meisten. Sobald aber der
erste Wutanfall vorüber war, entwarf er seinen Kriegsplan.
Schon am nächsten Morgen wurden Haftbefehle gegen
Drew, Fisk und Gould erlassen. Sie wurden rechtzeitig ge-
warnt und flüchteten nach Jersey, außerhalb Barnards
Machtbereich, und nahmen ihre Beute mit. Nach Charles
Francis Adams’ Angaben in seinen „Chapters of Erie“
führte einer von ihnen in einer Mietkutsche Ballen mit
Banknoten im Werte von 6 Millionen Dollar fort!). Die
anderen beiden Flüchtlinge waren mit Handtaschen beladen,
die mit Obligationen und Aktien vollgestopft waren.
Dies war in mehr als einem Sinne eine lehrreiche und denk-
würdige Situation. Vanderbilt, der größte Betrüger seiner
Zeit, der Plünderer des Staatsschatzes während des Bürger-
krieges, der Erzbestecher, rief offenkundig die Hilfe des
Gesetzes an, weil man ihn betrogen hatte! Drew, Gould und
Fisk machten sardonische Witze darüber. Aber wenn sie
auch darüber scherzten, daß sie einen Mann überlistet
hatten, dessen Spezialität der Betrug war, so verkannten
sie doch nicht, daß ihre Lage gefährlich war. Barnards Ver-
fügung hatte ihre Aktienverkäufe als Betrug bezeichnet und
damit ungültig gemacht; außerdem war ihnen, wie die
Dinge lagen, wenn sie nach New York zurückzukehren
1) „„Chapters of Erie“, S. 30.