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Diese Plünderung der Erie-Eisenbahn war aber nur eine
seiner vielen betrügerischen Transaktionen in diesen ge-
schäftigen Jahren. Gleichzeitig benutzte er diese gestohle-
nen Millionen, um in den Goldvorräten zu spekulieren.
In diesem „Black-Friday‘“-Komplott (so wurde es genannt)
erbeutete er weitere 11 Millionen Dollar im Verlaufe. einer
finanziellen Krisis, die eine Kette von Bankrotten, Selbst-
morden und viel Mißgeschick und Elend mit sich brachte.
Elftes Kapitel
DAS STÄNDIGE ANWACHSEN DES GOULDSCHEN VER-
MÖGENS
D* „Gold-Komplott‘“, das von Gould ausgedacht und
geleitet wurde, wurde seinerzeit als eins der schänd-
lichsten Ereignisse in der Geschichte Amerikas bezeichnet.
Diese Beurteilung war eine Übertreibung und Verdrehung,
die typisch war für eine Gesellschaft, welche sich nur um das
kümmerte, was in ihren oberen Schichten passierte. Die
theatralische Natur dieser Episode und das Verderben, das
sie in den Reihen der Geldleute und der Industriellen ver-
breitete, war schuld, daß ihre Wichtigkeit hochgradig ent-
stellt und übertrieben wurde.
Es war nicht annähernd so verwerflich wie die giganti-
schen und abstoßenden Schwindeleien, die Kaufleute und
Bankiers während der schweren Jahre des Bürgerkrieges ver-
übt hatten. Dieselben Kaufleute und Bankiers, die Gould
wegen seines „Gold-Komplotts‘“ in den Bann taten, hatten
ihre Vermögen auf blutgetränkte Armeeverträge begründet.
Auch konnten die schlimmsten Seiten des Gouldschen
Komplotts, so gemein sie waren, in keiner Weise an ver-
derhblichen Resultaten mit den offenkundigen und ab-
war, ihn zu töten, und daß der einzig mögliche Weg, Leben und Ehre zu retten, der
war, den er wählte, nämlich dem Manne die verlorene Summe nebst einem Gewinn
auszuzahlen. Aber auf die kaltblütige Geistesgegenwart Goulds wirft diese Geschichte
ein interessantes Streiflicht.