Full text : Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

gaben sie ein Mehrfaches von 10 Millionen Dollar aus. Mit
diesen gefälschten Schecks kauften sie 30 bis 40 Millionen
Gold!). Ein solcher Betrag war natürlich nicht in Umlauf.
Aber das Gesetz gestattete die Spekulation darin, als ob es
wirklich existiere. Gewöhnliche Kartenspieler, die um wirklich
 vorhandenes Geld spielten, wurden vom Gesetz bestraft.
Aber die spekulativen Börsenspieler, die Werte kauften und
verkauften, die häufig gar nicht existierten, führten ihre
Betrügereien mit voller Genehmigung des Gesetzes durch.
Goulds Plan war nicht schwierig. Dauernde Ankäufe von
Gold mußten — nach den Gesetzen des Handels — natürlich
 ständig seinen Preis steigern.
Im September 1869 hatten Gould und seine Partner
nicht nur alles in Umlauf befindliche Gold in Händen, sondern
 sie hatten auch Verträge abgeschlossen, nach denen
ihnen Bankiers, Fabrikanten, Kaufleute, Makler und Spekulanten
 weitere 70 Millionen Dollar von diesem Metall zu
beschaffen hatten. Die Banken, Fabriken und Importfirmen
hatten ständig einen großen Bedarf an Gold für verschiedene
Geschäftstransaktionen: um internationale Schulden zu bezahlen,
 Zinsen für Obligationen, Zoll oder zum Ankauf der
Ernten. Sie waren gezwungen, es zu borgen zu einem von
Gould festgesetzten Preise. Gould gab öffentlich bekannt,
daß er keine Gnade kennen würde. Er hatte z. B. ein Verzeichnis
 von 200 New Yorker Kaufleuten, die ihm Gold
schuldeten; er drohte ihnen, ihre Namen in den Zeitungen
veröffentlichen zu lassen, wenn sie nicht gleich zahlten, und
hätte das ausgeführt, wenn seine Rechtsanwälte ihm nicht
abgeraten hätten, weil dieser Schritt als Anschlag strafrechtlich
 verfolgt werden könnte?).
Die allgemeine Erregung und Not in Geschäftskreisen
war so groß, daß Präsident Grant beschloß, von dem
Golde der Regierung etwas in Umlauf zu setzen, wenn auch
die Reserven dadurch vermindert würden. Auf mysteriöse
Weise erfuhr Gould hiervon. Am Tage vor dem „Black
Friday“ entschloß er sich, seine Partner zu betrügen und
heimlich Gold zu verkaufen, bevor der Preis fiel. Um das
1) Gold Panic Investigation, S. 13.
2) Ebenda S, 13.
            
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