Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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yänglichsten an der Küste und an den Flußufern, schon 
vergeben. Eine ausbeuterische und tyrannische Feudalregie- 
rung thronte überall. Das einzige, was sie in den meisten 
Fällen tun konnten, war, das kleinste Übel zu wählen 
und Pächter der großen Grundherren oder ihre Arbeiter 
zu werden. 
Die Niederdrückung der Arbeiter 
Die Einwanderung wurde von den Patronen natürlich 
begünstigt. Abgesehen davon, daß der Wert ihrer Besit- 
zungen sich mit dem Zuwachs der Bevölkerung vermehrte, 
mußten die Arbeitslöhne dadurch auch immer mehr sinken. 
Gleichzeitig wandten sie, um in dem schuftenden Arbeiter, 
den man zu jener Zeit als bloßes Arbeitstier betrachtete, das 
keinerlei Rechte verdiente, jedes Aufstreben zu ersticken, 
die ganze Kraft des Gesetzes an, scharfe Verurteilungen 
zuwege zu bringen. Man drückte den Arbeiter mit Ab- 
sicht bis zum Äußersten herab und ließ ihn auf mancherlei 
Weise seinen besonders niedrigen Platz in der sozialen 
Organisation fühlen; nicht einmal das gewöhnlichste Bürger- 
recht, in den öffentlichen Angelegenheiten eine Stimme zu 
haben, besaß er. Das Bürgerrecht wurde nämlich ganz 
vom Besitz abhängig gemacht — eine leichte Methode, 
die Masse der armen Einwohner rechtlos zu machen und 
niederzuhalten. Einzig und allein durch Kauf war dieses 
Recht zu erwerben, und damit es soweit wie möglich auf 
eine engbegrenzte Klasse beschränkt bliebe, wurde der 
Preis ungewöhnlich hoch festgesetzt. In Neu-Niederland 
z. B. wurde 1659 gesetzlich festgelegt, daß die Ein- 
wanderer für das Bürgerrecht tausend Gulden zu bezahlen 
hätten. Da nun der durchschnittliche Arbeiter pro Tag 
für seine lange Anstrengung, die oft von Sonnenaufgang 
bis Sonnenuntergang dauerte, nur zwei Schilling bekam, 
so hatte er wenig Aussicht, diese Summe jemals zusammen- 
zubekommen. Die Folge war, daß die Bürgerschaft allein 
von den Kaufleuten gebildet wurde — und alle Berichte 
jener Zeit scheinen zu beweisen, daß die Kaufleute er- 
gebene Werkzeuge der Patrone waren, deren Gunst sie
	        
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