Full text: Geschichte der großen amerikanischen Vermögen (Bd. 1)

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Geld durch Warenverschleiß und Wucher einzunehmen, 
nahm ein großer Teil von den 12 000 Einwohnern Bostons 
und denen von Salem und Plymouth große Gefahren auf 
sich, um der See ihre Schätze zu entreißen. So entwickel- 
ten sich energische Charaktere und eine kühne Abenteurer- 
lust, die mit der Zeit eine regsame Rasse erzeugten, welche 
handeltreibend die Welt umsegelte. 
Die berühmten Vermögen der frühen Jahrzehnte des 
18, Jahrhunderts stammten von der Schiffahrt. Die erste 
Quelle dieses Vermögens war der Fischfang. Der Stockfisch 
als Wahrzeichen am Staatshause von Massachusetts ist ein 
Überbleibsel aus den Tagen, als Fischfang die größte und 
einträglichste Quelle des Reichtums und der Hauptansporn 
zu allen Arten des Handels war. Der Fischfang wurde als 
so wichtig für die Existenz des ganzen Gemeinwesens von 
Neu-England betrachtet, daß öfters Schiffe durch öffent- 
liche Sammlungen erbaut wurden, wie z. B. einmal in Ply- 
mouth. 
Entsprechend der allgemeinen unausgesetzten Nachfrage 
nach Schiffen kam das Gewerbe des Schiffbaues schnell 
empor; damals gab es allein in Boston nahezu dreißig 
Werften, und sechzig Schiffe wurden jährlich erbaut. Es 
war eine lukrative Industrie. Der Preis für ein Schiff war 
hoch — die Löhne für die Zimmerleute, die Schmiede, 
die Kalfaterer und die Spierenmacher waren niedrig. Nicht 
wenige von den Kaufleuten und Händlern oder von ihren 
Söhnen, die Kapital erworben hatten, indem sie die In- 
dianer betrunken machten und betrogen, gingen zu diesem 
äußerst einträglichen Gewerbe über und wurden Männer 
von größerem Wohlstand. Um 1700 verschiffte Boston 
50 000 Zentner Stockfische in jedem Jahr. Die Fische 
wurden sortiert; die Prima-Qualität ging nach den katho- 
lischen Ländern, wo große Nachfrage danach war, besonders 
nach Bilboa, Lissabon und Oporto. Der Abfall wurde nach 
den Westindischen Inseln geschafft und dort an die N eger- 
sklaven und die Arbeiter verkauft. Der Preis schwankte. 1699 
betrug er achtzehn Schilling für den Zentner; im nächsten 
Jahre fiel er auf zwölf Schilling, weil die französischen Fische- 
reien drüben den Markt überschwemmt hatten.
	        
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