Object: Die Rohstoffversorgung der deutschen eisenerzeugenden Industrie

Das Zink, an sich natürlich ein wertvoller Bestandteil, wird teil- 
weise in der Lithopone-Industrie extrahiert, so daß sogenannte „Dop- 
pelt entzinkte Abbrände‘“ mit etwa 1“): % Zink und sogenannte „Ein- 
fach entzinkte Abbrände“ mit etwa 4°, Zink zurückbleiben. Der weit- 
aus größte Teil der Meggener Abbrände bleibt aber vorläufig noch 
unentzinkt und enthält bis zu 10° Zink. Solche Abbrände dem Ver- 
hüttungsprozeß im Hochofen zuzuführen, ist überhaupt nur in einem 
besonderen Verfahren möglich. Dieses besteht in der Wiedergewinnung 
des in den Gichtstaub übergegangenen Zink-Oxyds in der elektrischen 
Gasreinigung. Nur ein Werk in Westfalen ist auf diesen Prozeß ein- 
gerichtet, das etwa 100 000 Tonnen derartiger unentzinkter Abbrände 
jährlich verarbeitet. Eine etwa gleiche Menge machen die verzinkten 
Abbrände, die in allen Werken zur Verarbeitung kommen können, aus. 
Im übrigen wird ein erheblicher Teil — etwa ein Drittel — der 
sonstigen Abbrände und der daraus hergestellten Agglomerate, welche 
die deutsche Hochofenindustrie verarbeitet, von der inländischen chemi- 
schen Industrie geliefert. Es muß dabei aber berücksichtigt werden, 
daß diese Abbrände fast durchweg aus Schwefelkiesen ausländischer 
Herkunft stammen. Sie sind deshalb als Auslandserze anzusprechen, 
yenn man sie statistisch erfassen will. 
Die Eisenerzeinfuhr . Deutschlands erfolgt aus fast allen Produk- 
tionsgebieten der Welt. Die Hauptlieferanten sind Schweden, Spanien, 
Nordafrika, Frankreich und Neufundland, sowie in untergeordnetem 
Maße Norwegen, Griechenland, Rußland, die Schweiz und Österreich. 
Der Auslandsmarkt ist seit Kriegsende außerordentlichen Schwan- 
kungen unterworfen gewesen, hervorgerufen durch die stark schwan- 
kende Eisenkonjunktur in Europa und durch das Auf und Ab der 
See- und Rheinfrachten. Die Frachten machen im Durchschnitt 1, des 
Wertes der Übersee-Erze aus. und beeinflussen deshalh die Erzpreise frei 
Verbrauchstelle nachhaltig. 
Die Tabelle nebst Schaubild in den Anlagen 11 und 12*) über die 
Entwicklung der Preise für die wichtigsten Auslandserze von 1925 bis 
1927 veranschaulichen diese Schwankungen. Während in der ersten 
Hälfte des Jahres 1926 eine noch nie dagewesene Baisse zu verzeichnen 
war, sind seitdem die Preise schnell, teilweise sprunghaft, in die Höhe 
gegangen und bleiben seitdem ziemlich stabil, 
Der wichtigste Konkurrent Deutschlands auf dem europäischen 
Erzmarkt ist England. In den letzten Jahren tritt auch dieses Land in 
ständig zunehmendem Maße als. Käufer von P-haltigen Schwedenerzen 
auf, eine Tatsache, die zurückzuführen ist darauf, daß das basische 
Stahlverfahren sich in England immer mehr einbürgert. 
Eine die europäischen Erzverbraucher mit besonders großer Sorge 
erfüllende Erscheinung ist, daß Nordamerika neuerdings in ständig zu- 
nehmendem Maße als Käufer von hauptsächlich nordafrikanischen und 
schwedischen Erzen zur Versorgung der an seiner Ostküste liegenden 
Hüttenwerke auftritt. 
1} Siehe S. 120 
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