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II, 3, B. Die Leistungsfähigkeit des Sozialismus
Kapitalbildung noch unter das gewöhnliche Maß herabgesetzt und
der Ausbruch der Krisis dadurch beschleunigt werden.
Bei näherer Prüfung der Argumente, auf die der Sozialismus
seine Behauptung von der wirtschaftlichen Rückständigkeit der ge
genwärtigen Wirtschaftsordnung stützt, lösen sich diese also samt und
sonders in Nichts auf. Es läßt sich kein vernünftiger Grund erkennen,
weshalb eine Änderung der Rechtsgrundlagen des Wirtschaftslebens
im sozialistischen Sinne eine Erhöhung des Produktionsertrages be
wirken sollte. Es ist nicht gerade rühmlich für die bürgerliche Na
tionalökonomie, daß diese Argumente auch in ihren Reihen zahlreiche
Gläubige gefunden haben und dem sozialistischen Gesellschaftssystem
infolgedessen vielfach eine Überlegenheit zugeschrieben worden ist,
die es in Wahrheit gar nicht besitzt.
6. Die wirtschaftlichen Schwächen des Sozialismus.
wie steht es nun aber mit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit
des Sozialismus selbst? Das Wesen des konsequent zu Ende gedach-
ten Sozialismus läuft darauf hinaus, diejenige Kraft aus dem '
Wirtschaftsleben auszuschalten, die heute die einzelnen treibt, ihre
Zähigkeiten und ihre Energie auf das äußerste anzuspannen: die
wirtschaftliche Selbstverantwortlichkeit. Die Produktion erfolgt nicht
mehr auf Rechnung und Gefahr von einzelnen privaten, sondern sie
erfolgt auf Rechnung der Gesamtheit, der auch die Produktionsmittel
gehören. Es fragt sich nun, wie dieser Zustand auf die Entwicklung
des Volkswohlstandes und die Größe des Produktionsertrags in einem
Lande einwirken wird. Die beiden Grundsäulen des Volkswohlstandes J
sind heute der Spartrieb und der Arbeitstrieb der Bevölke
rung. von der Sparsamkeit wird das Tempo der Kapitalbildung,
das Anwachsen des Volksvermögens in erster Linie bestimmt, die
Arbeitsamkeit aber ist entscheidend für die Größe des Arbeitsertrags,
der mit den vorhandenen Mitteln erzielt werden kann. Es fragt sich
also, wie wird sich unter der Herrschaft sozialistischer Prinzipien
einerseits die Kapitalbildung, das Anwachsen des Realkapitals der