Object : Neuere Zeit (Abt. 2)

Die bildenden Künste des Barocks und des Rokokos. 219

weiten Gebietes des Barocks; in unendlichen Nachahmungen,
die innerlich leer sind und darum auch äußerlich sich ähneln,
sind seine Erfindungen auf den zahlreichen Altären unserer
Barockkirchen wiederholt worden; und auch die Plastik der
Paläste wurde aufs stärkste von ihm beeinflußt.
So entstand denn auch auf deutschem Gebiete eine barocke
Plastik, die sich der gleichartigen Architektur völlig unterordnet
und wesentlich nur kunstgewerbliche Bedeutung beanspruchen
kann: und hier allerdings, vor allem in Werken, welche barocke
Gebäude bekrönen, wie z. B. in dem Statuenschmuck der Dresdener
Hofkirche, erreicht sie einen hohen Grad von Vollendung und
unzweifelhafter Wirkungsfähigkeit. Für sich aber bedeutete sie
eigentlich nichts. Die Zahl wichtigerer selbständiger Werke, die
sich aus ihrem Bereiche nennen ließe, ist gering, ja erscheint,
soweit die allgemeine kulturgeschichtliche Bedeutung in Frage
kommt, mit der Erwähnung der Schlüterschen Statue des
Großen Kurfürsten zu Berlin fast geschlossen. Und auch bei diesem
Werke ist zu bedenken, daß seine Gesamtauffassung keineswegs
die barocke eines Bernini ist — ihr würde ein theatralisch an—
sprengender Reiter gerechter geworden sein —, sondern vielmehr
die viel gemäßigtere der holländischen Spätrenaissance; nur in
den gefesselten Sklaven des Sockels tritt ein an sich halten—
des Barock zutage. Ebenso sind auch die Masken sterbender
Krieger am Berliner Zeughaus wohl in barockem Sinne ge—
schaffen, aber der Gegenstand ließ hier ein starkes plastisches
Pathos zu, ja erforderte es; und die Durchführung ist an sich
schlicht, männlich und angesichts der Maiestät des Todes
theatralischen Zügen ferner.
Das Standbild des Großen Kurfürsten ist 1697 gegossen
worden, also gegen das Ende der vollen Barockzeit. War von
dem emporkommenden Rokoko eine neue Blüte der Plastik zu
erwarten? Gewiß hielt der neue Stil die Bildnerei nicht mehr
in so sklavischer Abhängigkeit von der Architektur wie das
Barock; während sich die bildnerische Tätigkeit im engsten Zu—
sammenhange mit der Bautätigkeit immer mehr auf die an
sich oft höchst phantasievolle und künstlerisch lohnende ornamentale
            
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