Full text: Die Entwickelung der Fabrikindustrie im lateinischen Amerika

Industrie. 
im Bewußtsein des Volkes und ohne Zusammenhang mit 
dessen langjähriger Entwickelung, von Fremden eingerichtet 
und wurzellos auf unvorbereiteten Boden aufgesetzt, hat dem 
japanischen Volke infolge der Überspannung seiner Leistungs- 
fähigkeit nicht den Gewinn gebracht, den man allgemein an- 
nimmt, und eine nicht zu ferne Zukunft wird es lehren, daß 
Japan nicht ungestraft nur aus -‚politischem Ehrgeiz seine 
wirtschaftliche Entwickelung in den Formen der ihm fremden 
westländischen Kultur zum Ausdruck bringen durfte, statt 
sie auf der materiellen und sittlichen Grundlage seines 
eigenen Volkstums aufzubauen. 
Diese Abschweifung in den äußersten Osten sollte 
zeigen, daß eine so wichtige, tief in das Volksleben ein- 
schneidende Außerung der modernen Kultur wie die Fabrik- 
industrie auch in. einem einheitlichen Nationalstaat nicht 
Ohne weiteres eingeführt werden kann, ohne daß die bis- 
herige wirtschaftliche Entwickelung dazu drängte und ohne 
daß die Industrie gewissermaßen den Schlußstein dieser Ent- 
wickelung bildete. Ein solcher Fremdkörper im Volks- und 
Wirtschaftsleben muß schwerwiegende, unabsehbare Folgen 
für das Land nach sich ziehen, das die Harmonie seiner 
Entwickelung Bestrebungen zum Opfer brachte, die nur eine 
Nachahmung fremder, nicht dem eigenen wirtschaftlichen, 
sittlichen und geistigen Werdegang entsprechender Kultur- 
formen darstellt. . 
Die Gefahr einer solchen Entwickelung ist freilich. für 
die lateinisch-amerikanischen Länder ausgeschlossen aus dem 
einfachen Grunde, weil ihnen die ganze nationale Entwicke- 
lung fehlt, weil das Volksleben durch die entstandene In- 
dustrie weder zu seinem Vorteil noch ‚zu seinem Nachteil 
beeinflußt worden ist. Diese Behauptung bedarf einer Er- 
läuterung. 
Wir haben gesehen, aus welchen Elementen in diesen 
Staaten und ganz besonders in den tropischen, die Bevölkerung 
sich zusammensetzte, ehe die europäische Masseneinwande- 
rung das Bild in den subtropischen Staaten zu deren Gunsten 
verschob. Es war kein Bevölkerungselement vorhanden, 
das, wie in den alten Kulturländern, durch gewerbliche, Er- 
zeugnisse sein Brot verdiente und dann die ‘Arbeiter für die 
entstehende Fabrikindustrie lieferte, also durch die Arbeits- 
teilung ein unentbehrlicher Teil, der Bevölkerung geworden 
war und seine Daseinsbedingungen auf das engste mit der 
ganzen Volkswirtschaft der Staaten verknüpft hätte. Freilich 
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