IIL Aöfdhnitt: Erlöfdhen der Schuldverhältniffe.
Vierter Titel.
Erlagß.*)
Borbemerkungen.
1. Bertragsnatur des Erlafjes. Der Erlaßk ift im Sinne des BSB. ein Bertti“g
und zwar vertragSsmäßiger Verzicht des Gläubiger3 auf jeine Forderung.
Der Erlaß ift ein abjtrakter Vertrag. Dies war im E.I 8 290 durch Ubf. 2 auf
drüdlich hervorgehoben:
„Bur Wirkfamkeit des Vertrages ift die Angabe des RNechtsgrundes nich!
erforderlid. Die Wirkjamkeit des VertrageS wird dadıray nicht ausgefhloffen, daß
die Vertragichliegenden verfdhiedene Necht3gründe borausgefebt Haben oder daß der
bon ihnen vorausgefeßte Kechtagrund nicht vorhanden oder ungültig war. Die
Borichriften über Rüdforderung wegen ungeredtfertigter Leijtung bleiben unberührt
In der zweiten Sejfung wurde diefe Beftimmung gejtrihen, „weil biefelbe nur yeito*
jpeftive Bedeutung Habe und neben den Vorjchriften über ungerechtfertigte Bereicherung ent
behrli jet“. %B. I, 376. Wegen eines Mangel8 im Rechtsgrunde (Irrtum, Betrug, Zwang
ujm.) tft der Erlaß nicht anfedhtbar, der Gläubiger Hat alsdann nur einen perfönlidt?
Anipruc gegen den Schuldner auf Wiederherfiellung des dur den Erlak erlofjchene?
Schuldverhältnifjes ($ 812 Abf. 2) nad) den Grundjägen über die unaerechtfertigte Bereicherung
Bal. Borbem. zum II, BucH, II S. 12.
IL Neben den Erlaß jtellt das BGB. in Abi. 2 des 8 397 das vertragasmüßis‘
Anerfenntnis, daß das Schuldverhältnis nicht befteht. E? legt ihın diejelbe Wirkung bei W*
dem Erlaßvertrag, aljo die Wirkung der Aufhebung der Obligation, e8 will damit
einen fog. negativen AÄnerfennungsvertrag in Parallele jegen zu dent teilweife infolg®
der Schrift von Bähr (Die Anerkennung al3 Verpflidgtungsgrund 1855) in die Theorie und
Rraziß eingeführten pofitiven Schuldanerfennungsvertrag. Auch diefer jog. negati?®
AnerfennungsSvertrag {ft abftratt und zwar, im Gegenjaß zum pofitiven (8 781)
jogar ohne fqhriftlide Form, Dieje Abftraktion vom Rechtgrunde Hat aber lediglih biejel0®
Bedeutung wie beim Erlaß. Er bleibt wegen Irrtums Über den Recht8grund, wegen Bwang®
BetrugS und fonjtiger allgemein rechtZerhebliHer Müngel de3 Rechtagrundes anfechtbatı au
fann er nad) $ 812 Abi. 2 wegen ungerechtfertiater Bereicherung fondiziert merdet-. Bol
Bem. TI, 1,c zu 8 812.
III, Wirkung des Grlafvertrages, einfeitiger Erlak. Sowohl der Erlaß wie D*
negative AnerfennungsSvertrag {ft ein zweifeitigeS NechtSgefhäft (Vertrag), Der einfeitis“
bom Schuldner nicht (vertragsmäßig) angenommene Verzicht des Gläubiger ijt alfo eben!9
wirfungSlo3, wie die einfeitige Anerkennung des Gläubiger8, daß das Schuldverhältnis nicht
Seiteht; die bloße Empfangnahme (da3 Zugehen) der Erklärung genügt utcht.
Unberührt von 8 397 bleiben die Borjchriften über einen einjeitigen Erlaß duch
fegiwillige Verfügung (88 2174, 2192), über Erbverziht (S$ 2350), die Verzichte auf ding
liche Rechte (88 875, 959, 928, 1255 Abfj. 1, 1293, 875, 1168, 1064), ferner die im Brosell®
möglichen einfeitigen BVerzihtserklärungen der 88 346, 514, 566 BO.
IV, Sowohl Erlaß wie negativer Anerfennungsvertrag bringen das Schuldverhältnt®
unmittelbar zur Tilgung (wie die römitiche acceptilatio) und erzeugen nicht hlok eine Ein’
Q: :
, ) Siteratur: Bgl. Kindel, Da NRechtsgefHäft und fein Recht3arund, 1892, S- 176
bi8 193; ». Bölderndorff, Lehre vom Crlaß. Ah En Grlaßvertrag, 1891;
Meißel8 in Grünhut? Ztihr. Bd, 18 S. 665; Seuffert in Beiträge zur Erl. des Ent
von Better und Fijder Heft XI S. 30—831, Bd. 19 S. 1; Hartmann, Die Iberatorifde!
Verträge und ic Recht8grund inshefondere, im Archiv f. d. zivilift. Praxis Bd. 85 Nr. 1;
Adermann bei Gruchot, Beitr. Bd. 44 S. 576; Cohn bei Gruchot, Beitr. Bd. 47 S. 221 fe
ErlaB und Verzicht nach BGB, ; CaZyer8. Erlak und Berzicht nah BGB. Straßburg 1904.