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192 Zwanzigstes Buch. Erstes Kapitel. 
Das Barock beseitigte die feinen Formen des plastischen 
Ornaments der Renaissance: die Licht- und Schattenwirkungen 
sollten voller werden, also wurde das Relief stärker betont, die 
Ausführung vergröbert, die ornamentale Form, soweit sie sich 
diesen Bedürfnissen nicht fügte, über Vord geworfen. In 
gleichem Sinne wurde auch die Form der Bauglieder verändert 
und zugleich außerhalb der Fassade auch noch in steigendem 
Maße zum Schmuck der Innenräume verwendet. Die Gesimse 
wurden wuchtig, die Profile luden aus, die graden Konstruktions⸗ 
teile erhielten Schwingungen zur Erzeugung von Licht⸗ und 
Schattenwirkung: die gewundenen Säulen, die geschweiften 
und gebrochenen Giebel kamen auf, Kreise wurden zu Ellipsen, 
Quadrate zu Rauten oder noch verwickelteren Formen; und ge⸗ 
waltige Treppen mit niedrigen Stufen in gebrochenen Konturen 
umrahmten den Baukern. 
Zugleich wurde der plastische Schmuck in ganz anders 
dekorativem Sinne als bisher angewandt und auch unendlich 
vervielfacht. Hatte die Gotik die Statue aufs Skeletthafte 
reduziert, um der Darstellung des Innenlebens alle Auf— 
merksamkeit zu sichern; hatte die Renaissance wenigstens in 
Italien ein schönes Gleichgewicht des ruhig Plastischen und des 
ausdrucksvoll Mimischen erreicht: so gab jetzt das Barock seinen 
Statuen etwas gewaltsam Bewegtes; eine übereilte, nervöse 
Gestikulation von starker Mache verband sich mit überschwellender 
Plastik der Muskeln. Dabei trat die Charakterisierung des 
Innenlebens zurück: aller Nachdruck wurde auf die bewegte 
Wirkung nach außen, auf starke Reflexe in Licht und Schatten 
gelegt. 
Wie hier Energie, berauschendes Machtgefühl Tendenz zum 
Majestätischen und zugleich Aufregenden, kurz das herrschte, 
was Vasari maniera grande nennt, so nicht minder in der 
Art der baulichen Gesamtanlage. Zunächst: keine behagliche 
Breite, kein Sichgehenlassen, sondern Zusammenraffen, Wucht, 
Repräsentation. Daher Vorliebe für Zentralanlagen, Kuppeln, 
Konzentration überhaupt in der Vertikale, Schwingung der 
ganzen Baumasse um ein künstlerisches Zentrum. Und hierzu:
	        
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