Full text: Recht der Schuldverhältnisse (Bd. 2)

ji. Titel: Berpfligtung zur Leitung. $ 252. 65 
dingungen) ermögligten Folgen auffommen mülfe, mürde zu praktiich unerträg- 
licgen Nefultaten führen. Val. die zu IN, 4, 8 S. 51 genanen Deifpiele. Dies tritt 
da, wo e8 fich um entgangenen Gewinn Handelt, noch \chärfer hervor, als ba, wo ein 
bofitiver Nachteil in Frage Iteht. Sprichwörtlich ift ja au8 Ddiejem ©runde die Kedensart 
von dem „nicht gefangenen Hilden”. Mal. 1. 298 3 D. ad legem Aquiliam 9, 2 (cum 
incertum fuerit, ac caperentur). Allerdings wird die Erfenntnis diefer Konfequenz 
dadurch erfhwert, daß ein ungewöhnlicher, unwahricheinlidher Gewinn, wenn er eben 
verhindert ijt, in der Kegel auch nicht al8 notwendig bei Umkehr der in Frage 
fommenden Bedingung bewiefen werden kann. Man jeße aber den Hall, daß A durch 
Beugen beweifen kann, er würde eine Seldfjumme, für deren rechtzeitige Einzahlung B 
verantwortlich iit, zum Ankauf einer beftunmten Lotterielosnummer verwandt haben, auf 
die fpäter das große Los gefallen ijt, jo Dürfte Die Unbilfigfeit einer Jh bi8 fe 
Erjaße Ddiefes Gewinnes beriteigenden Erjaßpfliht zutage treten. M. E. kann auch in 
diefem Falle felbit „nach den beftehenden Umftänden“, insbefondere nach den Cr 
AUnitalten und Vorkehrungen, der tatfächlich entgangene Gewinn nicht al8 ein foldher be- 
zeichnet werden, der „mit Mahri Geinlichkeit ermartet werden Konnte“. Val. des 
näheren Bem. 3. 
Allerdings ift der Gefichtspunkt der nachträglidgen objektiven Prognofje nicht 
zu berwechfeln mit demjenigen fubjektiver (individueller) Borausjehbarkeit durch 
den Erfagpflichtigen. 
, _ Der Jubjeftive Standpunkt des Eriaßberecdhtigten ijt nicht maßgebend, und es 
it alfo gleichgültig, ob der entgangene Gewinn von diefem vorausgejehen wurde DDEr 
werden Konnte. Wiehnehr kommt e8 darauf art, ob bei naGträglicher Mrdigung des gewöhn- 
lien Laufes der Dinge (der von Bar 109. „Regel des Lebens“) oder der hejonderen 
Umitände durch den Richter, der in in die Situation zur Zeit des die Haftung 
gegründenden Ereignifjes verjebt, nach Maßgabe feiner verftändigen Einficht der ent- 
gangene Gewinn als ein joldjer qualifiziert werden Kanıt, der fchon damals „mit 
allgemeiner Wahricheinlichkeit erwartet werden Konnte“, der alfo rein objektiv ei 
berftändiger Würdigung des Weltverlanfes) DO War. 
‚Daß freilich hiebei Bemweisfrage und materielles Recht En (nicht theoretifch) 
verquickt ericdheinen, i{t eben{o wie bei der Frage de8 Iırtums (Probabilität des wefent- 
(ben Sertums, vol, Kulenber, Bon d. Band. 3. BOB. Bd. 1 S. 430) in der Natur der 
Sache begründet. Wie Entfchuldbarkeit und Beweisbarkeit de8 Irrtums (S 119) in den 
meiften Sällen zujammenfallen, Jo auch wahrfdheinlicher und adäquater Kaufalzufammenhang. 
Hiernach ijt eS zwar richtig, Daß, wie bereit in 1. Aufl. gefagt it: 
a) wenn fich mit ae ‚Feftftellen läßt, daß ein Gewinn nicht gemacht 
worden wäre, ein Criaß entgangenen Gewinn nicht beanfprucht werben 
fan. Denn in diefem Falle fehlt ein Kaufalzujammenhang überhaupt. Vgl. 
auch Pland Ben. 2 Abi. 2 zu S 252. Val. aud 1 40 D. ad legem 
Aquiliam 9, 2, (Wenn ein bedingter Schuldichein vernichtet ift, haftet der 
Erfaßpilichtige feloftverftändlich auf Criaß der Schuldfumme nur, si debiti 
conditio extiterit.) 
Aber es ift nicht richtig, daß, wenn ausnahmäweife (vgl. das obige Beifpiel 
des Lotteriegewinns) ein entgangener ©ewinn mit Beitimmtheit feftgeftellt 
merdenm Kann, e8 hiebei unter allen Umjtänden jein Beenden habe, 
Vielmehr kann auch in Ddiefem Halle der Saß 2 des 8 252 wenig{ten$ im 
Ralle Bloß fabrläffigen Verfchuldens zu einer Begrenzung der 
Schadenserfaßpflicht führen. sie au Die folgende Bem. (MM. MM. Träger 
aa. ©. S. 958; Ripr. d. DLG. [Hamburg] Bd. 4 S. 214) 
3. Maßgebender Zeitpunkt für die Berehnung, Neber  diefe ta befteht 
eine wichtige Streitfrage, welde ihren lebten Grund in der prinzipiellen Auffallung des 
Raufalzufammenhangs hat und daher {chließlich identifch ft mit der in Bem. 2 behandelten. 
Abweichend von der 1. Yufl. halte ich bie Meinung Plands in deffen 1. und 2. Aufl.) in 
Bei. 2 zu 8 252 für richtig, welcher die Bedeutung des Sabes 2 dahin auffaßt, „Daß Das 
Entoehen eines Gemwinnes, auch wenn feftiteht, daß er wirklich entgangen ijt, nur Dann 
berüchjichtigt werden Toll, wenn er in dem Beitpunfte, in weldem der zum Schadens- 
erfaß verpflichtende Umitand eintrat,*) nad) den bezeichneten Unftänden mit Wahr: 
(cheinlichkeit erwartet werden fonnte“. ER . 
a) Nach der 1. Auflage des Kommentars von Planck, deffen Autorität als Mit- 
alied der Rommiition hiebei nicht ohne Gewicht fein dürfte, fpricht Dafür 
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..% Eine wichtige Modifikation erleidet diefer Saß in Fällen, wo nicht bloß der Eintritt, 
in 3eitlig® beftimmter Augenblie, Jondern au die Dauer eines Umftandes, 3. B. einer Unter» 
affung, den Schadenzerjaßanjpru begründet, Siehe darüber weiter unten S., 55 bi. 5. 
Staudinger. BGB. 1a (Kublenbetk, Mecht der Schuldverhältniffe). 5.16, Aufl 7
	        
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