Mikroskopische und biologische Untersuchung.
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wandten Saprolegnia-Arten ist Leptomitus leicht zu unterscheiden, da dieser Pilz
weder Strukturen noch Cellulinkörner besitzt, noch für gewöhnlich in Rasen wächst.
Leptomitus lacteus vermehrt sich durch Schwärmsporen, dagegen nicht durch
Oosporen. Statt der letzteren bildet er nach Kolkwitz 1 ) als Dauerformen sehr
resistente Mycelstücke aus, die unter Umständen nur aus einem Fadenglied bestehen,
teils auch gemraenartige Gebilde (Fig. 328). Diese Dauerformen können sich im
Schlamm lange Zeit halten und ermöglichen dem Pilz das Uberstehen ungünstiger
Lebensverhältnisse. Die Schwärmsporen bildet der Pilz, sobald ein Abwasser so weit
gereinigt ist, daß er sein Fortkommen nicht mehr findet. Sporangien sind daher in
Vorflutern ein Indikator für eine gewisse Reinigung. Kolkwitz, der den Pilz
zuerst in Reinkultur gezüchtet und ihn eingehend untersucht hat, gibt an, daß die
günstigsten Nährstoffe für ihn die hochmolekularen, organischen Stickstoffver-
hindungen sind, während Kohlenhydrate keine Bedeutung für ihn haben. In
Wässern, die den Stickstoff in einfacheren Verbindungen enthalten und nicht mehr
fäulnisfähig sind, kommt er nicht mehr fort. Wässer mit deutlich saurer oder
alkalischer Reaktion töten ihn. In stagnierenden Gewässern unterliegt Leptomitus
der Konkurrenz der Fäulnisbakterien. Bei Temperaturen von 25 0 gedeiht er üppig,
bei solchen von 30° und darüber stirbt er ab.
Leptomitus tritt wie Sphaerotilus im Winter auf und ist im Sommer viel
seltener zu finden als letztere Art. Nach Kolkwitz wird man sein Auftreten als
kennzeichnend für noch fäulnisfähige Wässer betrachten müssen, während anderer
seits sein Fehlen aus den oben angegebenen Gründen noch kein Indikator für ge
nügende Reinheit eines Wassers ist. Auch durch mechanische Verhältnisse,
besonders durch das Fehlen von Unebenheiten des Bodens in schnell fließenden
Wässern, kann Leptomitus unter sonst günstigen Bedingungen an der Ansiedelung
verhindert werden.
Außer diesen Pilzen scheint auch ein schon öfter beobachteter, aber noch
nicht genauer untersuchter und bestimmter Pilz, der meist als Fusarium aquae-
ductum aufgeführt wird, zu den eigentlichen Abwasserpilzen zu gehören.
Von Oscillatorien kommen nach Mez Osoillatoria tenerrima, 0. brevis,
0. tenuis, 0. antliaria und besonders oft 0. Froelichii in Betracht. Die Artbestimmung
ist bei diesen Algen von größter Bedeutung. Die Oscillatorien der Abwässer zeigen
sämtlich deutliche Eigenbewegung. Mez gibt folgenden Bestimmungsschltissel:
I. Fäden bis 4 /i dick; Zellen öfter länger als breit.
a) Zellen im Verhältnis zur Breite kürzer 0. tenerrima.
(Fäden in Bündeln oder einzeln, meist gerade, lebhaft blaugrün, mit oft ge
bogenen Enden.)
II. Fäden meist über 4 /,t dick; Zellen höchstens so lang wie dick.
a) Fäden 4—8 /t, Zellen 1 / 2 —1-mal so lang wie dick, an den Scheidewänden
nicht eingeschnürt; Lager grün.
a) Fäden brüchig, kurz 0. brevis.
(Fäden in dünnhäutigen, tiefblau- oder schwärzlich-grünen Lagern, ge
rade, an den Enden verjüngt, lebhaft blaugrün.)
ß) Fäden lang, nicht brüchig.
1. Zellinhalt hellblaugrün 0. tenuis.
(Fäden in schleimig-flockigen oder dünnhäutigen, tief grünen Lagern,
gerade oder schwach gekrümmt, hellblaugrün.)
J ) Mitteil, aus d. Königl, Prüfungsanstalt f. Wasserversorgung usw. Heft 2, 34.