Full text: Entstehung und Bedeutung der Preußischen Städteordnung

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Die hereinbrechende unruhige Zeit gab nun Frey die freudig er— 
griffene Gelegenheit zur Entfaltung organisatorischer Fähigkeiten und 
eines regen Eifers für das Gemeinwohl, so beim Einmarsch der Fran⸗ 
zosen im Frühjahr 1807 und bei der Regulierung des städtischen Kriegs— 
schuldenwesens. Es war kein Wunder, wenn auf diesen gebildeten, ge⸗ 
schickten und tätigen Mann sehr bald die Aufmerksamkeit Steins gelenkt 
warde. Aber auch mit dem späteren Staatsminister v. Altenstein, sowie 
mit dem Staatskanzler Fürsten von Hardenberg ist Frey persönlich be⸗ 
kannt gewesen. Stein fand großen Gefallen an ihm, insbesondere an 
seiner reformatorischen Gesinnung, obwohl Frey nicht ohne einen gewissen 
Radikalismus war. Da Stein in Königsberg in Freys Hause zu wohnen 
pflegte, so lernten sie sich sehr genau kennen. Bald findet Stein Ge⸗ 
legenheit, sein Wohlwollen zu betätigen. 
Frey hatte in einem Privatbriefe an den Kommandanten von Königs⸗ 
berg, der bei ihm Belehrung gesucht hatte, scharfe Worte gebraucht, nicht 
qur über die Zunftverfassung und anderes, sondern auch über einen 
preußischen, beim Könige in hoher Gunst stehenden Staatsmann; man 
erfährt nicht sicher, wer das gewesen ist. Obwohl dies Schreiben, wie 
der Verfasser bemerkt, dem Heiligtum der Verschwiegenheit anvertraut 
war, ließ der Empfänger sich doch nicht abhalten, es dem Könige vor—⸗ 
zulegen. Friedrich Wilhelm wollte den freimütigen Mann am liebsten 
fofort absetzen. Doch ließ er vorher an Stein schreiben. Dieser meinte 
in einem Schreiben an den König vom 289. April 1808, wenn er auch 
die unehrerbietige, animose Form preisgeben müsse, so habe Frey doch 
in der Sache Recht. Damit hatte dieser, der zudem den König in einem 
würdig gehaltenen Schreiben um Verzeihung bat, sein Amt gerettet. 
Reben seinem Hauptwerke der Städteordnung hat sich Frey durch 
sein Eintreten für Steuerreformen und die Ideen, die er dabei verfocht, 
verdient gemacht. Er war für eine starke Progressivsteuer; mehr noch 
als der bekannte Volkswirt und Professor J. G. Hoffmann, der neben 
ihm mit einem Plan zur Reform des Steuerwesens hervortrat. Frey 
befürwortete — auch dies ist für den Mann charakteristisch — die 
Selbsteinschätzung, wollte aber auch im Gegensatz zu den französischen 
Jakobinern die niederen Stände und zwar durch Klassifikation heranziehen. 
Merkwürdigerweise führte die Verwirklichung der Staͤdteordnung 
dazu, daß Frey aus dem Magistratsdienst ausschied. Er wurde jetzt am 
27. Februar 1809 zum zweiten Regierungsdirektor ernannt. Als solcher 
stand er der Polizeideputation und der damit verbundenen geistlichen 
und Schuldeputation vor. 
In den Jahren 1812— 18185 zeichnete er sich auch in seiner neuen 
Stellung durch eifrige patriotische Tätigkeit zum Wohle des Staates und 
der Provinz aus; dafür wurde ihm die Verleihung des Eisernen Kreuzes 
am weißen Bande zuteil.
	        
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