Fünfter Abschnitt. Rückblick und Gesammtergebniss, $$ 192, 193. 193
Vergegenwärtigt man sich noch einmal das Wachsthum der Staatsverwaltungsausgaben,
so ergiebt sich aus Sp. 23d der Anl. XIV, wenn
man die Zahlen der Rechnung 1869 mit dem Durchschnitt der Rechnungszahlen
für 1900, 1901 und 1902 vergleicht, ein Mehr von rund
327 Mill. M. Dazu tritt bei den Dotationen einschliesslich Staatsschuldenverwaltung
ete. (Sp. 12c) bei gleicher Rechnung ein Mehr
von 244 Mill. M., zusammen 571 Mill. M.
Diese hohen ordinären und extraordinären Mehrbeträge für Zwecke
der allgemeinen Staatsverwaltung aufzubringen, würde für die preussischen
Finanzminister eine schwierige, vielleicht unlösbare Aufgabe
gewesen sein, wenn ihnen nicht drei Momente in diesem Zeitraume
zu Hülfe gekommen wären, nämlich in erster Linie die grossen, rapide
steigenden Eisenbahnüberschüsse besonders in Folge der ‘seit Ende
der 70er Jahre durchgeführten Verstaatlichungsaktion, die eine Steigerung
der gedachten Ueberschüsse von 1879/80 .-1900 von 94,4 Müll. auf
472,8 Mill. M. zur Folge hatte — seitdem sind trotz der Ungunst der
wirthschaftlichen Verhältnisse die Reinerträge unter 415 Mill. noch
nicht herabgesunken — sodann (seit 1890) die Miquelsche Steuerceform
und endlich auch — während der 80er Jahre — die grossen
Mehrüberweisungen vom Reich, die in den 10 Jahren von 1883—1893 für
Preussen zusammen nicht weniger als 289.8 Mill. M. betrugen (Sp. 11e
in Anl. XIV).
Nun ist allerdings zu berücksichtigen, dass durch die Eisenbahnverstaatlichungsaktion
Preussen auch eine Schuldenlast von etwa
5 Milliarden übernommen hat, deren in ihrer Höhe schon soeben angegebene
Verzinsung und Tilgung aus den KEisenbahnüberschüssen zu
decken ist, sowie dass noch gegenwärtig rund 25 Mill. M. jährlich für
Pensionen und Relikten von Eisenbahnbeamten, die nicht durch den
Eisenbahnetat, sondern durch den Etat des Finanzministeriums laufen,
von den KEisenbahnüberschüssen in Abrechnung zu bringen sind.
Nach Sp. 4d der Anl. XIV beträgt indessen das Mehr des Ueberachusses
der Eisenbahnverwaltung, verglichen nach der Rechnung von
1869 und dem Durchschnitt der Rechnungen 1900, 1901 und 1902 rund
436 Mill. M. Rechnet man hiervon auch zunächst das Mehr an den
Ausgaben für Dotationen (Staatsschuld) und 25 Mill. M. für auf dem
Etat des Finanzministeriums stehende Pensionen und Reliktengelder
der Eisenbahnbeamten mit zusammen 269 Mill. M. ab, so bleiben
immerhin — nach Abzug dieser gebundenen Eisenbahnüberschüsse —
noch rund 167 Mill. M. freie Eisenbahnmehrüberschüsse übrig, so
lass von dem oben erwähnten Mehr der erforderlichen Zuschüsse von
‘8327 Mill. M. — 25 Mill) = 302 Mill. M. nur noch 135 Mil, ungedeckt
sein würden.
Die Steigerung der Reineinnahmen der übrigen drei wichtigsten
Betriebsverwaltungen, Domänen, Forsten, Berg-, Hütten- und Salinenverwaltung
ist demgegenüber erheblich zurückgeblieben. Der Rein-Schwarz
uw Strutz, Staatshaushalt und Finanzen Preussens, II, 3