thumbs : Neueste Zeit (Abt. 3)

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Zweiundzwanzigstes Buch.

bekannte Veröffentlichungsweise der nun schon „anmutigen“
Gelehrsamkeit: die in Sammelwerken, in Bassins gleichsam, in
denen in meist schon gefälliger Form dargeboten wurde, was
aus den erweiterten Gebieten der verschiedenen Wissenschaften
als allgemeines Interesse darbietend zusammenfloß. So erzählt
Gottsched in der Vorrede zu seinem Handlexikon der schönen
Wissenschaften und freien Künste: „ein Staats- und Zeitungs⸗
lexikon, ein Natur-, Kunst- und Bergwerkslexikon, ein Lexikon
aller Wissenschaften und Künste wurden bald durch ein Ge—
lehrtenlexikon und ein Frauenzimmerlexikon abgelöst. Ein
Realschullexikon bekam bald ein Antiquitätslexikon und dieses
ein Heiligenlexikon zum Nachfolger; und daß auf das geo—
graphische auch ein Handelslexikon, ja mitten unter allen auch
ein mathematisches, ein philosophisches und so manches theo—
logische und juristische Reallexikon ans Licht getreten, wird
gleichfalls vielen noch in frischem Andenken ruhen. Endlich
können auch das große historische Lexikon, das noch größere
Universallexikon nebst dem Bayleschen Wörterbuche und das
Adelslexikon hier unmöglich mit Stillschweigen übergangen
werden.“ Es war eine Bewegung, die schon damals die
Klage der „Pedanten“ gegen Halbbildung hervorrief. Aber
das hinderte nicht, daß Männer wie Buddeus, Hübner,
Schöttgen, Jablonski, Wolf, Hederich, Mencke und Jöcher
ihr Wissen der Bildung suchenden Masse in dieser Form dar—
boten.

Im übrigen ist es verständlich, daß sich mit der Verschiebung
des Bildungsideals aus dem Rationalen und Verstandes—
mäßigen ins AÄsthetische und Ethische und schließlich auch Philo—
sophische auch eine Wandlung der Formen vollzog, in denen
der neue Bildungsinhalt an das größere Publikum herantrat.
Charakteristisch sind in dieser Hinsicht für die zweite Hälfte
des 18. Jahrhunderts namentlich zwei Erscheinungen: das
Aufkommen der Musenalmanache und verwandter Zeitschriften
und das Aufblühen der Leihbibliotheken. Musenalmanache sind
nach französischem Muster seit 1770 erschienen; der erste wurde
von Boie und Gotter herausgegeben; bald aber hatten die
            
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