thumbs : Anfangsgründe der Volkswirtschaftslehre

8  Anfangsgründe  der  Volkswirtschaftslehre.
lichkeit,  sondern  in  unserer  Phantasie.  Wir  nehmen  einen
Menschen,  wir  setzen  ihn  allein  auf  eine  Insel,  und  wir  verfolgen, ­
  wie  er  sich  verhalten  wird.
Aber  wenn  wir  zum  Urbeginn  der  wirtschaftlichen  Erscheinungen ­
  zurückgehn  sollen,  so  wird  uns  die  Robinsoninsel
nur  wenig  lehren;  denn  Robinson  war  durchaus  nicht  ein
Urmensch.  Er  brachte  ja  auf  seine  Insel  alle  seine  erworbenen
Kenntnisse  mit,  wahre  geistige  Güter,  und  selbst  viele  materielle
Güter,  die  er  aus  dem  Schiffbruch  gerettet  hatte.
Vielleicht  könnten  uns  die  Kinder  —  die  kleinen  Kinder  —
besser  belehren.  Die  Kinderpsychologie  könnte  von  größtem
Nutzen  sein  zur  Erklärung  gewisser  wirtschaftlicher  Erscheinungen, ­
  und  meiner  Meinung  nach  hat  man  mit  Unrecht  ihr
Studium  unter  diesem  Gesichtspunkt  vernachlässigt.  Nichtsdestoweniger ­
  lebt  auch  das  kleine  Kind  unter  ebenso  künstlichen ­
  Bedingungen,  wenn  auch  in  umgekehrtem  Sinne  wie
Robinson.  Denn  man  kann  sagen,  es  ist  ein  Schmarotzer,  ein
allerliebster,  wenn  man  will,  aber  immerhin  befindet  es  sich
in  der  Lage,  die  dieses  Wort  besagt.  Es  empfängt  alles  und
gibt  nichts  dafür  zurück,  außer  seinem  Lachen  und  seinen
Küssen,  was  in  der  Wirtschaftsordnung  unzureichend  ist.
Sehen  wir  uns  anderswo  um:  da  sind  die  Tiere.  Bei
ihnen  werden  wir  die  ersten  Keime  der  Wirtschaftserscheinungen ­
  finden,  ja  sogar  die  wirtschaftlichen  Gesetze,  die  die
Menschen  leiten.  Denn  die  Volkswirtschaft  hat  ihre  Wurzeln
in  der  Biologie:  sie  ist  ein  Kapitel  der  Naturgeschichte,  der
Geschickte  des  §snu8  homo.
Tue  Bedürfnisse.  Bei  allen  Tieren  finden  wir  Bedürfnisse: ­
  das  ist  nun  für  uns  der  Ausgangspunkt  der  ganzen
Volkswirtschaft.  Bei  den  Tieren  sind  diese  Bedürfnisse  nicht
sehr  zahlreich;  sie  beschränken  sich  sogar  auf  bloß  zwei:  das
Nahrungsbedürfnis,  das  fast  den  einzigen  Platz  in  ihrem
Leben  einnimmt,  und  ferner  —  das  wollen  wir  nicht  vergessen ­
  —  das  Wohnbedürfnis.  Christus  hat  selbst  gesagt:  „Die
Füchse  haben  Gruben  und  die  Vögel  des  Himmels  Nester".
Es  gibt  in  der  Tat  kein  Tier,  das  nicht  eine  Wohnung  hätte,
mag  sie  auch  noch  so  bescheiden  sein,  aber  eine  Wohnung,  die
seinen  Bedürfnissen  entspricht.
Und  tun  wir  nur  nicht  zu  stolz;  dieselben  Bedürfnisse
nehmen  den  größten  Platz  im  Leben  des  Menschen  ein.  Wenn
man  die  Budgets  der  Arbeiterfamilien  vornimmt,  wird  man
feststellen,  daß  die  Ernährung  ungefähr  zwei  Drittel  des  Haushalts ­
  darstellt  —  zwischen  60  und  65%,  je  nachdem  es  sich  um
            
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